Ausstellungen in Bonn

Das bietet das Haus der Geschichte im Jahr 2019

Bonn. Das Bonner Haus der Geschichte feiert das Grundgesetz, sich selbst und die Briten. Eine völlige Neuordnung der Dauerausstellung ist zusätzlich geplant.

Keine Geringere als die Queen ist die prominenteste Leihgeberin der großen Ausstellung „Very British“ des Bonner Hauses der Geschichte. „Very British“? War da was? Die Ausstellung war für Ende 2018 geplant, doch die kurzfristige Insolvenz der Aufbaufirma – ein singulärer Fall in 25 Jahren Haus der Geschichte – zwang zur Planänderung. Am 9. Juli soll die Schau nun eröffnet werden. „Mal sehen, ob wir dann mitten im Brexit, in der Folge von Brexit oder immer noch in der Brexit-Debatte stecken“, sagt Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, amüsiert. Das Thema bleibe brandaktuell, „wir haben vor drei Jahren damit begonnen, da wussten wir noch nichts vom Brexit“.

Die Queen schickt unter anderem die Krone von King George I. über den Kanal. Der deutsche Blick auf die Insel wird mit Exponaten aus Politik und Pop, mit den Beatles und dem Minirock, mit Rolls-Royce und der Fußballlegende Bernhard Claus „Bert“ Trautmann aus Bremen illustriert, den Torwart, der mit Manchester City 1956 den FA-Cup gewann – mit gebrochenem Genick. „Traut the Kraut“ wurde zum Helden der Nation. „Die Ausstellung lebt von der Opulenz der Objekte und der Ausstellung“, sagt Hütter und verspricht, sie je nach Fortgang des Brexit-Prozesses zu aktualisieren.

Schau im Foyer zeigt „Die Kanzler in der Karikatur“

Die zweite große Ausstellung des Jahres wird sich ab 1. Oktober im ehemaligen Pavillon des Bundespresseamts um Mobilität drehen. Hütter möchte das Thema wie in einem Schaudepot auffächern und einen Auszug aus den Sammlungen der Stiftung vom Fahrrad bis zum Spielzeugauto in Regalen zeigen. Im Foyer des Hauses der Geschichte werden ab September „Die Kanzler in der Karikatur“ zu sehen sein, bereits am 2. Juli wird dort die traditionelle „Rückblende“ mit herausragenden Pressefotos und Zeitungskarikaturen gezeigt.

Nach der Überarbeitung der Dauerausstellung 2017 in Bonn, nach der vollständigen Neuordnung des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig und der Kulturbrauerei in Berlin (der Tränenpalast mit 1,8 Millionen Besuchern in drei Jahren wird gerade überarbeitet), steht die Stiftung Haus der Geschichte gut da. 1,3 Millionen Besucher hatte sie 2018, davon allein in Bonn 750 000 (430 000 Menschen besuchten die Dauerausstellung).

Wenn auch die letzte Überarbeitung gerade zwei Jahre zurückliegt, plant Hütter bereits die totale Neusortierung der historischen Schätze auf 4000 Quadratmetern. Im Frühjahr 2020 soll der „Prozess der völligen Erneuerung“ (Hütter) starten, gerade wurden bei einer Klausursitzung in Wien Grundzüge besprochen, etwa ob man an der Chronologie festhalten oder eher thematisch vorgehen soll. „In Leipzig haben wir viel gebaut und ausprobiert“, sagt der Präsident, „da sind wir auf dem aktuellen Stand der Ausstellungsgestaltung“. Die soll sich explizit auch an jüngere Besucher richten. Die hatte Hütter auch im Auge, als es darum ging, das Informationszentrum im Haus der Geschichte neu zu gestalten: Der Groninger Designer Aat Vos wird das Zentrum in eine multifunktionale Lounge umbauen.

Wichtige Jubiläen

Das Jahr 2019 ist ein Feierjahr. „Wir haben noch nie so viele Jubiläen in einem Jahr gehabt“, sagt Hütter. Ab Ende Mai werden 70 Jahre Grundgesetz gefeiert. Schon am 15. Mai diskutiert Bundespräsident Frank Steinmeier in der Dauerausstellung mit Bonner Studenten über das Thema. Am 24. Mai wird Guido Rennerts Grundgesetz-Sinfonie mit dem Bundeswehrmusikkorps uraufgeführt. Ende Mai gibt es dann noch ein zweitägiges Museumsfest.

Am 14. Juni feiert man mit Bundeskanzlerin Angela Merkel 25 Jahre Haus der Geschichte – wieder mit einem Familienfest. Die passende Briefmarke kommt am 6. Juni heraus. Nach den Ferien verschärft sich der Feiermodus: Im September gedenkt das Haus der Anfänge der parlamentarischen Demokratie in Bonn, am Jahrestag der ersten Präsidentenwahl wird Altbundespräsident Joachim Gauck in Bonn aus seinem Buch „Toleranz: Einfach schwer“ lesen. Und es geht weiter: 30 Jahre friedliche Revolution, 30 Jahre Mauerbau. „Und dann kommt Weihnachten“, schmunzelt Hütter – und das Beethovenjahr 2020.

Da teilt sich Hütter die Dramaturgie mit Rein Wolfs von der Bundeskunsthalle. Die startet an Beethovens Tauftag mit einer großen biografischen Beethovenschau, die am 26. April 2020 endet. Das Haus der Geschichte schließt sich mit „Hits und Hymnen. Klang der Zeitgeschichte“ an, einer Schau, in der es um die Musik geht, die Emotionen weckt, die agitieren kann, mobilisieren, Identität stiften. Zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven geht das Haus der Geschichte mit der Schau dem Wechselspiel von Musik und Politik nach. Sie nimmt dabei – in zeitgeschichtlicher Perspektive − Bezug zum (politischen) Künstler Beethoven.