Not in this Lifetime

Das beeindruckende Comeback von Guns n' Roses

Nichts verlernt: GNR-Gitarrist Slash überzeugte bei den Konzerten in Deutschland.

Nichts verlernt: GNR-Gitarrist Slash überzeugte bei den Konzerten in Deutschland.

München. Für zwei Konzerte sind Guns n' Roses nach Deutschland gekommen. Nach mehr als 20 Jahren feierten Slash, Axl Rose und Duff McKagan eine beeindruckende Wiedervereinigung. Selbst das Unwetter in Hannover konnte sie davon nicht abhalten.

Trotz der Hitze trägt man an diesem Abend im Münchner Olympiastadion Zylinder und Perücke. Von bunten T-Shirts, die wie Uniformen für ein fast schon einheitliches Bild sorgen, prangen düstere Totenköpfe, flankiert von roten Rosen und rauchenden Colts. Die Szenerie hat etwas von Karneval und irgendwie auch so gar nicht. Um kurz nach Acht betritt ein etwas in die Breite geratener Axl Rose mit seinen einstigen Weggefährten Slash und Duff McKagan die Bühne. Für knapp  70.000 Fans beginnt eine Reise in die Vergangenheit.

Guns n' Roses ist zurück auf der Bühne - die einstigen Streithähne sind wieder vereint. So scheint es jedenfalls, denn so richtig mag man dem Bild noch nicht trauen. Schließlich haben beide Seiten immer wieder betont, in diesem Leben nicht mehr gemeinsam aufzutreten. Daher rührt auch der Tour-Name "Not in this Lifetime".

Ein Vierteljahrhundert haben die Anhänger der Rockband auf diesen Moment gewartet - ihn geradezu herbei gesehnt. Nach etlichen Streitereien trennte sich die Hauptbesetzung Mitte der 90er Jahre. Während sich Slash und Bassist McKagan ihren eigenen Projekten widmeten, wechselte Rose immer wieder die Besatzung von Guns n' Roses aus, behielt die Band aber bei. Mehr als 20 Musiker haben für GNR gespielt. An die Erfolge des Debütalbums "Appetite for Destruction" und dem Doppelalbum "Use your Illusion" konnte GNR nie mehr heran reichen. Die geplante Veröffentlichung des Albums "Chinese Democracy" wurde immer wieder verschoben und wurde vorab zur Lachnummer.

Nun, mehr als 20 Jahre später, kamen die Rocker für zwei Konzerte nach Deutschland. Zunächst im frühsommerlichen München, dann im Unwetter nach Hannover. Das Publikum hat sich verändert. Aus den einstigen Rock-Fans sind mittlerweile Familienväter geworden, die gemeinsam mit dem Nachwuchs "rocken". Die Protagonisten haben sich auch verändert - zumindest optisch. Die Strapazen der vergangenen Jahre sind vor allem Axl Rose anzusehen. Musikalisch wissen die Gunners nach wie vor zu überzeugen. Als wollten Sie andeuten, dass die Wiedervereinigung doch gar nicht so kompliziert war, beginnen die Konzerte mit "It's so easy" von "Appetite for destruction". Spätestens als Rose dem Publikum die Frage stellt "You know where you are?" und damit den Hit "Welcome to the jungle" einläutet, sind Guns n' Roses tatsächlich zurück. Das Stadion bebt. Zumindest in München. In Hannover verzögert sich der Dschungel-Rock. Aufgrund des aufgezogenen Unwetters unterbricht die Band für gut anderthalb Stunden das Konzert, bringt es aber ungekürzt nach der unfreiwilligen Pause zu Ende.

Von Roses einstigen Diven-Alüren, als er gegenüber unerwünschten Fotografen schon mal handgreiflich wurde, keine Spur. Der Frontsänger spielt mit dem Publikum. Fahrradhose und Kill-your-Idol-T-Shirt sind längst Cowboy-Hut, Jeans und bunten T-Shirts gewichen. Slash bleibt dagegen seiner Linie treu. Mit Zylinder und Les Paul scheint es so, als sei er nie weg gewesen. Auch musikalisch. Das Intro zu Sweet Child o' mine ist auch nach einem Vierteljahrhundert Abstinenz der Höhepunkt der Konzerte. Neben der Hommage an den kürzlich verstorbenen Soundgarden-Sänger Chris Cornell. Nahezu eins zu eins performen die Gunners "Black hole Sun".

Ein wahres Feuerwerk brennt die Band ab. Songs wie "Knocking on Heavens Door", "Don't Cry" und "Paradise City" dürfen natürlich genauso wenig fehlen, wie die beliebte Ballade "November Rain." In Hannover macht ein Stargast die Unterbrechung wett. Angus Young von AC/DC tritt mit zu "Whole lotta Rosie" auf. Nur einen Schönheitsfehler haben die Konzerte. Die Spannungen zwischen Slash und Rose sind doch noch spürbar. Die beiden Alpha-Tiere kommen sich nicht ins Gehege. Sie überlassen sich den partiellen Ruhm. Mal steht der Gitarrist im Scheinwerferlicht, mal der Sänger. Und so wird eins bei aller Nostalgie schnell klar. Ein weiteres Konzert der großen Band in Deutschland? Not in this Lifetime - vermutlich.