Filmverbot an "stillen Feiertagen"

Darum ist "Heidi" an Karfreitag verboten

Tabu an den "stillen Feierttage": Heidi in den Bergen

Tabu an den "stillen Feierttage": Heidi in den Bergen

25.03.2016 Bonn. Mehr als 700 Filme dürfen in Deutschland an "stillen Feiertagen" wie Karfreitag nicht gezeigt werden. Darunter Kinderfilme wie "Heidi" und Klassiker wie "Das Leben des Brian". Doch warum eigentlich? Und was ist an Karfreitag sonst noch verboten?

Was haben die Filme "Heidi in den Bergen", "Das Leben des Brian", "Ghostbusters", "Die Feuerzangenbowle" und "Max und Moritz" gemeinsam? Sie alle sind unzumutbare Machwerke, die das "religiös sittliche Empfinden an stillen christlichen Feiertagen verletzen" können - und dürfen deshalb an Karfreitag nicht öffentlich gezeigt werden. Das zumindest meinen die Prüfer der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), die über Freigaben für Filme entscheiden.

"Heidi", der Cartoonklassiker von 1975, eine Gefahr für das sittliche Wohl der Nation? Wir erinnern uns schnell an die Geschichte des Films: Das fünfjährige Waisenkind Heidi wächst bei ihrer Tante auf. Als die jedoch eine Stelle in der Stadt annimmt, bringt sie Heidi bei ihrem Großvater in den Schweizer Alpen unter. Der Alm Öhi, ein mürrischer alter Mann, ist davon zunächst gar nicht begeistert. Doch dem natürlichen Charme der Kleinen kann er nicht lange widerstehen. Heidi blüht auf und freundet sich mit dem Ziegenhirten Peter an. Aber: Eines Tages wird sie wieder von ihrer Tante geholt und nach Frankfurt gebracht, wo sie der gehbehinderten Klara Gesellschaft leisten soll. Zugegeben, liebe FSK - wirklich eine grausame Geschichte!

Doch die FSK-Prüfer halten auch andere, augenscheinlich harmlose Filme für nicht "Feiertags-würdig". Die Piratenpartei veröffentlichte jüngst eine Liste mit solchen Filmen, die an „stillen Feiertagen“ wie Karfreitag, Allerheiligen, Buß- und Bettag oder am Totensonntag nicht gezeigt werden dürfen. Und das sind gar nicht wenige: So wurden seit 1980 mehr als 700 Filme auf diesen Feiertags-Index gesetzt.

Auf der Liste finden sich zwar auch Horrofilme wie "Nachts, wenn die Zombies schreien", "Blutrausch der Zombies" oder "Jungfrau unter Kannibalen", doch eben auch harmlose Klassiker wie "Der Dicke in Mexiko", "Piratensender Powerplay" mit Thomas Gottschalk, "Didi - der Doppelgänger" mit Didi Hallervorden oder auch der Monty-Python-Klassiker "Das Leben des Brian". Und: Erstaunlicherweise setzten die FSK-Prüfer neben "Heidi" auch viele weitere Kinderfilme wie "Max und Moritz", "Kalle Blomquist" und "Nick Knatterton's Abenteuer"auf den Index.

Über die Filme wie solche mit den Haudegen Bud Spencer und Terence Hill wie "Vier Fäuste gegen Rio" oder auch Komödien mit Harald Juhnke lässt sich geschmacklich sicher streiten. Doch stehen sie tatsächlich im Widerspruch zum Sinn der "stillen Feiertage"? Der Landtagsabgeordnete Patrick Breyer von der Piratenpartei Schleswig-Holstein forderte jüngst bereits die Abschaffung der FSK-Feiertagszensur: "Die FSK-Feiertagsentscheidungen erscheinen widersprüchlich, willkürlich und beliebig. Und das sind nur die Entscheidungen seit 1980. Von den seit 1952 geprüften Kinofilmen sind insgesamt sogar 32 Prozent feiertagszensiert worden." Und weiter: Die Feiertagszensur von Filmvorführungen sei im Zeitalter von Video und Internet völlig wirklichkeitsfremd und gehöre deshalb dringend abgeschafft.

Tatsächlich stammt das Verbot im Kern von 1951. Aus einer Zeit also, als der Einfluss der Kirche noch größer war und man argwöhnisch auf allzu ausschweifige "öffentliche Lustbarkeiten" blickte und diese unterbinden wollte. Alberne Ulk-Filme wie die mit Didi Hallervorden oder auch Harald Juhnke galten lange Zeit noch als pure Provokation.

Übrigens: Die FSK-Entscheidung „Nicht feiertagsfrei“ ist für Kinos und Filmverleiher unbefristet verbindlich und wird nur auf kostenpflichtigen Antrag überprüft. Und: Führt ein Kinobetreiber einen der gelisteten Filme trotzdem an Karfreitag und Co. vor, muss er mit einer saftigen Geldstrafe rechnen. (Michael Wrobel)