Tiefe Blicke in die Seele

Clara Haberkamp veröffentlicht neue CD

Quer gestreift steht nicht jedem: Der Pianistin und Sängerin Clara Haberkamp schon. FOTO: HEIDE BENSER

Quer gestreift steht nicht jedem: Der Pianistin und Sängerin Clara Haberkamp schon. FOTO: HEIDE BENSER

Bonn. Die Pianistin und Sängerin Clara Haberkamp präsentiert ihre CD „Neon Hill“ am 18. März im Pantheon

Edgar Allan Poe schrieb sein trauriges und erst posthum veröffentlichtes Gedicht „Alone“ als 21-Jähriger, ein melancholischer, verträumter, romantischer und zugleich beängstigender Text über eine Kindheit, die Einsamkeit, die Tragik des Anders- und Ausgegrenztseins. So wunderbar wie die Berliner Jazzpianistin und Sängerin Clara Haberkamp Poe interpretiert, werden der Schmerz und das Verlorensein existenziell spürbar – aber die drückende Melancholie wird durch diese zarte, klare Stimme, durch die leichte, schwebende Klavierbegleitung aufgebrochen, Hoffnung schimmert durch.

Ein hinreißendes Stück, das sich sehr gut in das Gesamttableau von Haberkamps CD „Neon Hill“ einfügt. Ein Album für gewisse Stunden, das den aufmerksamen Zuhörer herausfordert – und mit schönen Eindrücken belohnt. Haberkamp ist eine exzellente Pianistin, eine nicht minder intensive Vokalinterpretin und zudem Komponistin und Songwriterin. „Neon Hill“ versammelt bis auf „Alone“ und Van Morrisons traumhaftes „Someone Like You“ ausschließlich eigene Werke. Die lassen mit ruhiger Diktion tief in die Seele blicken. Flüchtige, allegorische Impressionen vom Meeresufer, Momentaufnahmen aus dem Alltag, innere Befindlichkeiten und Beziehungsturbulenzen, Sehnsüchte und Ängste, Traurigkeit und der Wunsch nach Nähe – es sind sehr persönliche Zeilen, die Haberkamp auf „Neon Hill“ vertont. Sie spricht von „einer Art Tagebucheinträge, die aber nicht nur privat sind“.

Liebeslieder

Das Suchen ist der rote Faden des Albums „Neon Hill“, im Finale, Morrisons „Someone Like You“ geht es ums Finden. Die 29-Jährige dazu: „Man hört ja oft, Liebeslieder wären der Schnee von gestern, aber die Liebe ist doch das Einzige, wofür es in dieser Welt lohnt, zu leben und zu kämpfen. Ich finde, es kann nie genug Liebeslieder geben.“ Wie schön.

„Wild Rose“ ist auch so eine tolle, zauberhafte Ballade des Albums. Ein Werk, das einem nicht aus dem Kopf geht. Im vergangenen Jahr konnte man es beim Jazzfest Bonn im Post Tower hören, als Haberkamp mit der Formation Saskya im Post Tower zu hören war. Wer damals nicht genug kriegen konnte, darf sich auf den 18. März im Pantheon freuen. Da ist die Sängerin und Pianistin mit ihrem Trio zu Gast, mit Oliver Potratz (Bass) und Tilo Weber (Schlagzeug).

„Ich mag den Klang des Klaviers, tief und deftig, zart und filigran“, meint sie. „Meine Hände und die Tasten haben eine Verbindung, sie mögen sich“, sagt Haberkamp, die aus einem musikalischen Haus stammt. Mutter Ilona und Vater Thomas spielen Saxofon. „Bei uns lief den ganzen Tag Musik – entweder Jazz oder Klassik.“ Und es stellte sich nie die Frage, was sie spielt. Hauptsache Musik. Dieser universelle und undogmatische Ansatz prägt den Sound ihrer Soloprogramme und ihres Trios. Mit Jazz im engeren Sinn hat sie nichts am Hut. Als ihre Wahlverwandten gab sie einmal die in Seattle lebende Robin Holcomb, die Kalifornische Singer-Songwriterin Joanna Newsom und den großen Randy Newman an. Besonders Holcomb kommt sie sehr nahe, und doch fasziniert sie mit einer sehr eigenständigen Stimme und ihrem wunderbar ruhigen Pianospiel.

Clara Haberkamp: „Neon Hill“ (Traumton Records). Konzert: Haberkamp spielt mit ihrem Trio am Montag, 18. März, 20 Uhr, im Pantheon. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers sowie im Internet auf www.ga-bonn.de/tickets