Unternehmen in vierter Generation

Bonns Orgelbauer Klais begrüßt Auszeichnung zum Weltkulturerbe

Bonn. Orgelmusik und die Kunst des Orgelbaus gehören nun zum Welterbe der Menschheit. Für den weltweit operierenden Bonner Orgelbauer Philipp Klais ist der Titel eine Verpflichtung für die Zukunft.

Der Begriff Weltkulturerbe scheint für die Bonner Orgelbauwerkstatt Klais erfunden worden zu sein. Hinter der Backsteinfassade der Johannes Klais Orgelbau GmbH & Co. KG an der Kölnstraße 148 verbirgt sich zwar keine gigantische Fabrikanlage, sondern ein fast schon bescheiden daherkommender Handwerksbetrieb. Der aber operiert weltweit. Rund um den Globus hat das Bonner Familienunternehmen seit der Gründung 1892 seine Spuren hinterlassen. Die Instrumente stehen nicht nur im Bonner Münster und im Kölner Dom, sondern auch in den unterschiedlichsten nahen und fernen Regionen von St. Peter und Paul Kleinbüllesheim über London, Reykjavík, Sankt Petersburg, Buenos Aires bis hin zu Kyoto und Peking. Spektakulärste Neuschöpfung war zuletzt die Konzertorgel für den großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie.

Für Philipp Klais, der das Bonner Unternehmen in der vierten Generation führt, ist die Entscheidung der Unesco, Orgelbau und Orgelmusik zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit zu erklären, ein tolles Signal. „Als Orgelbauer freue ich mich riesig über diese Wertschätzung“, sagte er am Telefon. Der 50-Jährige hält sich derzeit in Rom auf, diesmal nicht, weil er dort eine Orgel baut, sondern als Stipendiat der Villa Massimo. „Der Titel ist eine sehr schöne Auszeichnung, aber vor allem auch eine spannende Verpflichtung für die Zukunft“, sagte er. „Es ist damit auch die Aufgabe verbunden, nicht zuletzt auch wieder junge Menschen für das Instrument zu begeistern.

Sowohl für die Musik als auch für das Handwerk des Orgelbaus.“ Zugleich sei die Ernennung durch die Unesco eine Bestätigung für das duale Ausbildungssystem für Handwerker in Deutschland. Dies ist laut Klais ein ganz wesentlicher Grund dafür, dass die Kunst des Orgelbaus in diesem Land so erfolgreich ist. „Wie haben hier etwas, das ein kostbarer Schatz ist. Aber der ist nur dann etwas wert, wenn er lebendig bleibt.“ Dass es für den theoretischen Teil der Ausbildung eine eigene Ausbildungsstätte gibt, weiß Klais zu schätzen. Wer Orgelbauer werden will, lernt das alte Handwerk an der Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg, der zentralen Ausbildungsstätte für den Orgelbau. „Hier werden Orgelbauer in reinen Orgelbauklassen ausgebildet. Sie werden nicht gemischt mit Klavierbauern, Blechblasinstrumentenbauern oder Geigenbauern. Das können nur ganz wenige Länder anbieten.“

Hohe Nachfrage in Osteuropa und Asien

Für Klais bedeutet immaterielles Erbe, dass es nicht um museale Bewahrung geht, sondern um eine lebendige Kultur, mit der man in die Zukunft geht. „Das bedeutet, dass wir die Menschen für Orgelmusik und für die Orgel selbst immer wieder begeistern müssen“, sagte er. Zwar sieht er keinen Anlass für eine alarmierende Stimmung, aber er findet, dass man jede Chance nutzen sollte, das Instrument und die dafür geschriebene Musik zu den Menschen zu bringen. Er hat da auch ganz konkrete Ideen. „Wir haben in Deutschland eine extrem hohe und flächendeckende Zahl an Orgeln“, sagt er.

Offizielle Zählungen nennen bis zu 50.000 spielbare Instrumente im Land. „Und es gibt eine Sehnsucht von Menschen, sich mit dieser Tradition auseinanderzusetzen. Ich würde mir wünschen, neue Konzerterlebnisse anzubieten. Ich fände es schön, wenn man an einem Abend in der Woche um 20.45 Uhr in eine Kirche gehen könnte, um 15 Minuten Orgelmusik zu hören.“ Das ließe sich selbst für Eltern nicht mehr ganz kleiner Kinder wunderbar in den Alltag integrieren. „Wenn wir so etwas verlässlich regelmäßig an unseren großen Kirchen einrichten, dann bringen wir das Musikerlebnis im Raum auch einer jungen Generation wieder nah“, sagt Klais, der damit nicht zuletzt auch auf den eingeengten Musikgenuss vor allem jüngerer Menschen unter ihren Kopfhörern anspielt. „Daraus können wir alle Kraft und Energie schöpfen.“

Doch der Kulturerbe-Titel bezieht sich nicht nur auf Deutschland. Das ist Klais von Berufs wegen bewusst wie kaum einem anderen. Er stelle weltweit, sei es im osteuropäischen oder im asiatischen Raum, eine große Begeisterung für die Königin der Instrumente fest, freut sich der Bonner. „Sie erfährt hier eine hohe Nachfrage. Im asiatischen Raum in erster Linie nicht in Kirchen, sondern in Konzerthäusern.“

Aber ihm ist es wichtig, hier vor Ort seinen Beitrag zur Langlebigkeit der Orgelkultur zu leisten. „Wir wollen diese Wertigkeit mit lebendigen Inhalten füllen und wollen auch weiter führend bleiben.“