Katinka Hoffmann wird 80

Bonner Schauspielerin hat Theatergeschichte geschrieben

Bonn. Die Contra-Kreis-Prinzipalin und Schauspielerin Katinka Hoffmann wird am Sonntag 80. Sie spielte auf der Bühne, im Film und im Fernsehen. Ihre Auftritte im Contra-Kreis sind legendär, zum Beispiel 1987 in Georges Feydeaus „System Ribadier“.

Warum zum Teufel kann sich eine ältere Frau keinen jungen Mann anlachen, ohne dass sie hämisch belacht wird? Und warum, bitteschön, wird ein Verhältnis zwischen einem älteren Mann und einem jungen Mädchen von der Allgemeinheit goutiert, während der umgekehrte Fall (immer noch) als shocking angesehen oder durch den Kakao gezogen wird?“ Diese Fragen stellte der GA-Kritiker Dieter Gerber im April 1987 an den Anfang seiner Besprechung von Claus Tinneys Komödie „Scher' Dich zum Teufel, mein Engel“ im Contra-Kreis-Theater.

Katinka Hoffmann spielte die zum alsbaldigen Ehebruch bereite Irene. Sie besaß, schrieb Gerber, „jene Portion resoluten Charmes, der bei gleichermaßen reifen wie klugen Frauen zu finden ist und jeden Widerstand auf Dauer zwecklos macht, wenn er dazu noch, wie hier, mit fraulichen Reizen und reizvollen weiblichen Schwächen gepaart ist“.

Hoffmann, Schauspielerin und neben Horst Johanning Prinzipalin des Contra-Kreises, hat das Publikum in vielen Rollen hingerissen – auf der Bühne, im Kino und im Fernsehen hat die in Breslau geborene Schauspielerin gewirkt. Am Sonntag wird sie 80. Ihre Auftritte im Contra-Kreis sind legendär, zum Beispiel 1987 in Georges Feydeaus „System Ribadier“. Rezensent Gerber sah „vor Vitalität strotzend Katinka Hoffmanns Angèle, der man ihre Eifersuchtstaten ebenso abnimmt wie ihre Begehrlichkeit in schwachen Stunden, die ihr den Witwenstand verleidet haben“.

Ihr Vater war der Spiritus Rector des Theaters

In Derek Benfields Komödie „Kille Kille“ 1991 trat sie als resolute Jane auf, „die zu richten suchte, was in diesem Chaos noch zu richten war und dabei ebenso natürlich wie temperamentvoll agierte“ (Gerber). In Jeanne und Sam Bobricks Stück "Wochenend Komödie" 1997 war sie als Peggy, die Bosheiten austeilen konnte wie Karateschläge, zu Beginn ganz tief dekolletierte Sanftmut.

Am 10. November 1966 eröffnete die Spielstätte des Theaters Am Hof neben der Universität. Katinka Hoffmanns Vater Kurt Hoffmann war als Direktor, Dramaturg, Regisseur und Schauspieler der Spiritus Rector des Theaters, das zunächst an der Meckenheimer Straße beheimatet war. Der Umzug war dem Neubau des Stadthauses geschuldet, das Theater musste weichen und fand Am Hof 3-5 sein neues Domizil.

Die Vision Hoffmanns erfüllte auch den neuen Spielort. Der ehemalige Feuilletonchef des General-Anzeigers Hermann-Josef Kraemer brachte Hoffmanns Arbeit 1966 auf eine prägnante Formel. Was er verwirklicht habe, „war die menschliche Nähe zwischen Gebenden und Nehmenden, zwischen Schauspielern und Publikum, war die Idee eines menschlich nahen, poetischen Theaters“.

Auf die Premiere von Carl Sternheims „Der Snob“ folgte am 15. November 1966 „Seid nett zu Mr. Sloane“ von Joe Orton. Horst Johanning spielte den Sloane. Im Contra-Kreis hatte die zeitgenössische Dramatik eine Heimat: Harold Pinter, Eugène Ionesco, Bertolt Brecht und Rolf Hochhuth, Peter Shaffer und Peter Hacks, Max Frisch und Peter Handke, Edward Albee und Wolfgang Bauer. Rainer Pause inszenierte 1971 Fernando Arrabals „Der Architekt und der Kaiser von Assyrien“.

Später, als sich die Stadttheater auf neue Stücke stürzten, verlagerte der Contra-Kreis seinen Schwerpunkt auf die gehobene Unterhaltung: die Welt der Komödie, der Unterhaltungsabende und der Talkshows. Sterneköche haben auch vor Publikum gekocht. Stars kamen nach Bonn wie Hans Söhnker und Gert Fröbe, Hans-Jürgen Bäumler, Claus Biederstaedt, Volker Brandt, Renan Demirkan, Karin Dor, Corinna Genest, Harald Leipnitz, Charles Regnier, Karl Schönböck, Wolfgang Spier, Jochen Stern, Sonja Ziemann und Ralf Wolter. In ihrer Mitte: Katinka Hoffmann.