Konzert im World Conference Center

Bonner Orchester spielt russisches Programm

Bonn. Die Pianistin Olga Scheps brilliert beim siebten Freitagskonzert des Beethoven Orchesters Bonn in Sergej Rachmaninows virtuosem zweiten Klavierkonzert.

Die russische Seele: Vielen Europäern ist sie fremd geblieben. Klischees sind zumeist nicht weit, wenn es darum geht, diese ganz eigene Ausprägung einer von Zarentum und einem riesigen Reich voller Extreme geprägte Volksseele zu charakterisieren. Mit russischer Musik tut man sich da zumeist leichter. Hier tun sich Türen zu eben jener Seele auf, die sonst zumeist verschlossen bleiben. Das siebte Freitagskonzert des Beethoven Orchesters Bonn (BOB) im WCCB drehte sich ausschließlich um russische Musik, am Pult stand mit Christopher Warren-Green freilich ein Brite. Aber auch die sollen ja durchaus ein Völkchen mit gewissen Eigenheiten sein.

Warren-Green und das BOB eröffneten den Abend mit Modest Mussorgskis „Nacht auf dem kahlen Berge“, ein sinfonisches Poem, das die von okkulten Bräuchen geprägten Ereignisse während der Johannisnacht beschreibt. Das tut Mussorgski hier recht eindrucksvoll, wenngleich die Historie des Werkes einigermaßen verworren und durch Umarbeitungen von Nikolai Rimski-Korsakow durchaus zweifelhaft ist. Hier ließ es das BOB schon ziemlich krachen, schilderte die skurrilen Ereignisse mit Präzision, großartigem Schwung und beeindruckender Wucht. Allerdings klang hier manches durchaus ungewohnt hart und schroff, die Konferenzakustik des WCCB veredelt hier nichts und ließ jeden Ton ebenso ungefiltert wie unvermischt auf das Publikum prallen.

Das machte auch dem Klavierklang in Sergej Rachmaninows zweitem Klavierkonzert zu schaffen. Orchester und Klavier verschmolzen hier kaum einmal zu einer klanglichen Einheit, zudem hatte Solistin Olga Scheps mitunter ihre liebe Mühe, sich gegenüber Rachmaninows spätromantischem Orchesterschwulst zu behaupten.

Das mag man mitnichten ihren unzweifelhaften Fähigkeiten, sondern vielmehr dem Komponisten und den akustischen Verhältnissen anlasten. Scheps spielte mit fabelhafter Souveränität, kehrte genauso überlegen die pianistische Salonlöwin raus, wie sie den lyrischen Episoden zauberhafte Konturen gab. Rein technisch und musikalisch gesehen interagierten Orchester und Solisten in jeder Hinsicht mustergültig, nur die klangliche Seite geriet angesichts der Umstände nicht gleichermaßen vollendet.

Von Rimski-Korsakow gab es nach der Pause noch die sinfonische Dichtung „Sheherazade“ zu hören. Hier erwies sich das BOB als begnadeter Geschichtenerzähler, denn die Handlung von der Jungfrau Sheherazade und ihren Geschichten wurde ungemein packend und farbig nachempfunden.

Christopher Warren-Green hielt das BOB ohne große Schnörkel zusammen und ließ es die Story wie einen guten Erzähler illustrieren: die ungemein seelenvolle Episode vom Prinzen und seiner Prinzessin ebenso wie das unter dramatischem Getöse an Felsen zerschellende Schiff. Das wurde gewissermaßen unter vollen Segeln mit Vollgas in die Katastrophe geführt. Fulminant, nicht zuletzt durch viele ausgezeichnete Soli im Orchester, allen voran Konzertmeister Liviu Casleanu, und besonders durch die an diesem Abend glänzend aufgelegten Blechbläser.