Ilse Wegmann wird 75

Bonner Künstlerin präsentiert "Licht.Bilder"

Ilse Wegmann mit ihrem Werk „Filmriss“ im Kunsthaus Troisdorf.

Ilse Wegmann mit ihrem Werk „Filmriss“ im Kunsthaus Troisdorf.

Bonn. Die Bonner Künstlerin Ilse Wegmann wird 75 Jahre alt und präsentiert sich mit der Ausstellung "Licht.Bilder" ab Sonntag im Kunsthaus Troisdorf.

Wenn man Ilse Wegmann bei der Vorbereitung ihrer neuen Ausstellung in Troisdorf begleitet, mitbekommt, wie sie von Fotoschnipseln und wanderndem Licht schwärmt, von Farben, die sie mit samtigem Kerzenruß überdeckt, und alten Polaroids, die sie mit dem Skalpell seziert hat, ist man unschlüssig: Ist das eine Malerin, die der Fotografie verfallen ist, oder eine Fotografin mit Hang zum Gemalten? „Ich bin Malerin und habe die Fotografen immer beneidet“, gesteht sie, die längst einen kreativen Ausweg aus diesem Dilemma gefunden hat. Sie bleibt in Tuchfühlung mit dem verehrten Medium, nutzt dessen bildtechnische Möglichkeiten, dessen Ästhetik und übersetzt die Fotografie in Malerei oder dreidimensionale Objekte.

Kontaktabzüge werden kopiert, im Negativverfahren umgewandelt, gelocht, zum Leporello geknickt, per Fotokopierer oder im Gemälde stark vergrößert. Das Negativ mit seiner klassischen Perforation hat es ihr angetan, besonders spannend ist das, was gemeinhin weggeworfen wird: der Filmanfang mit Zahlencode und verwaschenen Farben. Das hebt sie auf, sammelt es in Ordnern. „Ich liebe Reste“, gesteht sie.

In einem anderen Ordner sammelt sie missglückte Polaroids. Überflüssig zu sagen, dass sie das eigentliche Fotomotiv gar nicht interessiert. Selbst wenn sie etwa eine eigene Brot-Installation abfotografiert und kopiert. Dann vergrößert, vergröbert sie das Bild so lange, bis nur noch schemenhaft etwas zu erkennen ist.

Ilse Wegmann ist, trotz Versuchen mit der Digitalfotografie und obwohl sie mit dem Computer ihre Ideen archiviert, in der analogen Welt hängengeblieben. „Man ist damit aufgewachsen, ich liebe die analoge Fotografie, wie ich auch gerne Schallplatten höre, und ich bedaure, dass sich die Digitalfotografie über alles gelegt hat“, sagt sie, „so ist das, was ich mache, auch ein Stück Trauerarbeit.“ Die digitale Perfektion ist ihr suspekt. „Ich hab's gern etwas schmuddelig, unfertig, unperfekt“, gesteht sie, „und ich mag Zufälle.“

So folgte sie dem Spiel von Licht und Schatten an der Wand, hielt das mit genauer Zeitangabe fest („Lichtwanderung“), oder sie experimentierte mit einem gefundenen Blockmuster für Strandkorbbezüge von der Ostsee. Eine Din-A-4-Kopie des Musters wird gefaltet, mit Öl transparent gemacht, gedreht und gewendet.

Mit Fundstücken zu experimentieren ist eine Sache, Gemaltes ihre Leidenschaft: „Manchmal kriegt man einfach wieder Lust zu malen.“ Von diesem großen Spektrum erzählt die Ausstellung „Licht. Bilder“ im Kunsthaus Troisdorf, die am Sonntag eröffnet wird. Wegmann feiert damit ihren 75. Geburtstag. Das korrekte Datum ist der Mittwoch. Da wird die in Bad Honnef lebende gebürtige Eislebenerin, die ihr Atelier „in Bonn und Pützchen“ hatte, mutmaßlich immer noch an der Kunst-Inszenierung in Troisdorf arbeiten. Dass zu wenig Platz für ihre großen Installationen ist, ärgert sie etwas. Immerhin will sie in einem Nebenraum die Arbeit „Ausrangiert“ aus unzähligen alten Druckerpatronen präsentieren.

Nominiert für den Gabriele-Münter-Preis

Als Retrospektive will sie die Schau nicht verstanden wissen, eher als Momentaufnahme dessen, was sie derzeit umtreibt. Natürlich gibt es aber immer wieder Hinweise auf frühere Arbeiten. Seit den 80er Jahren ist die ehemalige Glasfach-Studentin (Hadamar und Rheinbach) und Kunsterzieherin eine feste Größe in der Region – mit einigen überregionalen und internationalen Gastspielen. Ilse Wegmann, unter anderem Mitglied von „zart & zackig“, hat eine lange Ausstellungsliste vorzuweisen, wurde 1992 mit dem Kunststipendium der Stadt Bonn und 2002 mit der August Macke Medaille fürs Lebenswerk ausgezeichnet. Größter Triumph war wohl die Nominierung für den Gabriele-Münter-Preis im Jahr 2006. Zuletzt machte sie mit dem Projekt „Weltkiosk“ in Königswinter auf sich aufmerksam.

Und die weiteren Pläne als 75-Jährige? „Ruhestand geht doch nicht“, sagt sie empört und erzählt, dass sie das Projekt „Nudeldiplom“ wieder aufnehmen will: Verschiedenen Nudeln liegen auf einem schwarzen Tisch, werden mit Mehl bestäubt. Entferne man die Nudeln, bleibe ein Muster, das an arabische Schriftzeichen erinnere. Das könne man fotografisch und malerisch weiterführen. Und dann sei da noch ein „Berg von Ideen“, die im Computer auf Realisierung warten.

„Licht.Bilder“ im Kunsthaus Troisdorf, Mülheimer Straße 23. Eröffnung: 15. Januar, 11 Uhr. Finissage am 12. Februar, 11.30 Uhr . Geöffnet Sa 15-18, So 11-14 Uhr und nach Vereinbarung Tel. 022 41/126 15 81