Ein neues Heim für den Visionär

Bonner August Macke Haus öffnet wieder

Bonn. Der Erweiterungsbau des Museums August Macke Haus in der Bonner Nordstadt ist feierlich eröffnet. Es ist einerseits das biografische Künstlerhaus zu Mackes Leben und Werken sowie andererseits ein Ort für Wechselausstellungen und Veranstaltungen.

Draußen Schneetreiben und grau-in-grauer Himmel. Innen melancholisch-schwelgerische Volkslieder von Brahms mit der vernichtenden Botschaft: „Die Sonne scheint nicht mehr.“ Und das Ganze, um einen Maler zu ehren, der die Welt in fantastische Farben tauchte, über den, als er 27-jährig tragisch in den ersten Wochen des Ersten Weltkriegs fiel, sein Freund Franz Marc im Nachruf schrieb: „Er hat vor uns allen der Farbe den hellsten und reinsten Klang gegeben, so klar und hell wie sein ganzes Wesen war.“

August Macke, dem diese Zeilen galten, hatte Brahms geliebt. Und so war es fast zwingend, dass die Feier zur Eröffnung des neuen August Macke Museums mit emotionalen Brahmsliedern – musiziert von Andrea Graff, Frederik Schauhoff und Luisa Imorde – startete. So kam Farbe in diesen fiesen Dezembersonntag. Der, wie Günter Winands, Amtschef bei der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, durchaus einer meteorologischen Logik folge: Sowohl der erste Spatenstich im Juni 2015 als auch das Richtfest zum Macke-Erweiterungsbau ein Jahr später fanden bei miesem Wetter statt.

Winands bemühte das Macke-Zitat, dass sich „unfassbare Ideen in fassbaren Formen“ äußern, um den schwierigen Prozess der Entstehung zu beschreiben, sorgte dann für Lacher, als er den ersten Dienstsitz seiner Chefin Monika Grütters irrtümlich in Bonn und nicht nach Berlin verortete. Er verwies auf das starke Engagement des Bundes für Bonn – mit 3,5 Millionen Euro hat er rund die Hälfte des Erweiterungsbaus und Künstlerhauses finanziert. „Damit der eine oder andere in Bonn merkt, dass wir noch da sind“, sagte er schmunzelnd. Bonn habe jetzt mit den drei authentischen Künstlerhäusern für Ludwig van Beethoven, Robert Schumann und den „Visionär Macke“ ein Alleinstellungsmerkmal. „Das Kunstzentrum in der Bonner Nordstadt ist komplett“, sagte er.

Erinnerung an die Rettung des Hauses

Zuvor hatten Christoph Siemons, Vorstandsvorsitzender der Stiftung August Macke Haus der Sparkasse in Bonn, und Hermann Neusser, Erster Vorsitzender des Vereins August Macke Haus e.V., an die komplizierten Anfänge des Projekts August Macke Haus erinnert. Neusser gehörte zu den Bonner Bürgern um die umtriebige Margarethe Jochimsen, die in den späten 1980er Jahren das Haus vor der Spitzhacke retteten und den Prozess einleiteten und begleiteten, der zu Sanierung, Museumseröffnung 1991 und jetzt zur Eröffnung des Erweiterungsbaus und historischen Künstlerhauses führte. „Es hat gehakt und gestoppt“, sagte Neusser und erinnerte an den 2016 gestorbenen ehemaligen Bundesaußenminister Guido Westerwelle, der in der benachbarten Heerstraße aufgewachsen war und sich vehement für die Finanzierung der ehrgeizigen Erweiterung stark gemacht hatte: „Ohne ihn stünden wir jetzt nicht hier.“ Neusser lobte auch das stetige Engagement der Macke-Familie.

Die Direktorin des Hauses, Klara Drenker-Nagels, blickte auch zurück, widmete sich dann aber der Konzeption des neuen Museums, das ein biografisches Künstlerhaus zu Mackes Leben und Werk auf der einen Seite und ein großzügiges Ensemble für die übrigen musealen Bereiche vorsieht: Raum für Wechselausstellungen, Büros, Depots, Museumspädagogik, Gastronomie und Veranstaltungen. In einem kurzen programmatischen Ausblick kündigte sie an, dass sich das Haus vermehrt auch um eine Brücke zur zeitgenössischen Kunst kümmern wolle.

Schlaglichter auf das Wesen Mackes

Oberbürgermeister Ashok Sridharan jubelte: „Endlich hat August Macke in Bonn die Repräsentanz, die er seit langem verdient.“ Er dankte den vielen Mitfinanziers – zu denen die Stadt selbst nicht gehört –, würdigte den Bund und den Landschaftsverband, das Land, die NRW-Stiftung, die privaten Stifter und „die komplette Sparkassenfamilie“. NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen lobte neben der „Bonner Bürgerinitiative für die Kunst“ in erster Linie sich selbst: für ihren Einsatz bei der Rettung der Portigon-Sammlung für NRW im Allgemeinen und der Zuweisung von Mackes „Gartenbild“ an das Macke Museum und Kunstmuseum Bonn im Speziellen.

Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland des LVR, und Eckhard Uhlenberg, Präsident der NRW-Stiftung Natur-Heimat-Kultur, warfen Schlaglichter auf das Wesen Mackes, wobei Uhlenberg in Anspielung auf Mackes künstlerisch ergiebige Tunisreise 1914 ausrief: „Tunis liegt nicht am Rhein.“ Wohl, um den im westfälischen Meschede geborenen Maler nicht allein im Rheinland zu verorten. Für die Überraschung des Tages sorgte dann Jan Macke in Vertretung seines Vaters Til, Enkel des Malers, indem er dem Haus Mackes Steinskulptur eines sitzenden nackten Mädchens schenkte. Nach dem Segen durch Stadtdechant Wilfried Schumacher und dem Superintendenten Eckart Wüster flutete die Festgemeinde das neue Museum.

Ab 5. Dezember für die Öffentlichkeit zugänglich.