Beethoven 2020

Beethovens sechste Sinfonie im Dienste des Klimaschutzes

Mission Beethoven: (von links) Dirk Kaftan, Ovais Sarmad, Maria Krautzberger, Nick Nuttal, Christian Lorenz und Ashok Sridharan.

Mission Beethoven: (von links) Dirk Kaftan, Ovais Sarmad, Maria Krautzberger, Nick Nuttal, Christian Lorenz und Ashok Sridharan.

Bonn. Beethoven-Jubiläumsgesellschaft BTHVN 2020 stellt beim Bonner Klimagipfel Pastoral-Project vor. Weltweit sollen Künstler sich mit der sechsten Sinfonie auseinandersetzen.

"BTHVN 2020“ lautet das griffige Kürzel für die Aktivitäten zum Mega-Jubiläum von Ludwig van Beethoven – eine „Agenda 2020“ in Sachen Beethoven sozusagen. Das „N“ steht dabei für „Natur“ und damit für die intensive Beziehung, die Beethoven zur Natur pflegte. Spaziergänge, gerne in noch unberührter Natur, inspirierten ihn und verschafften ihm eine Art innerer Freiheit. Wobei weniger die Beziehung als solche das Besondere ist – die hatten vermutlich auch viele andere seiner Zeitgenossen – sondern das, was der Künstler daraus gemacht hat. Zum Beispiel in seiner sechsten Sinfonie, der „Pastorale“.

Grund genug für die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft, mit dem „Beethoven Pastoral Project“ einen großen Scheinwerfer auf dieses Werk zu richten. Was hat uns das Werk heute noch zu sagen? Ist es Beethovens Plädoyer für einen sorgsamen Umgang mit der Natur, für Umweltschutz? Wäre Beethoven heute ein Umweltaktivist? Würde er sich zum Pariser Klimaabkommen äußern? Um diese Fragen wird es in dem Projekt gehen, das seinen Höhepunkt am 5. Juni 2020, dem Weltumwelttag erleben wird.

Das „Beethoven Pastoral Project“ wird von vielen Seiten getragen und unterstützt, nicht zuletzt auch vom Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres. Schließlich ist die Beethovenstadt auch Sitz des Weltklimasekretariats der Vereinten Nationen. Keine Frage also, dass das Vorhaben medienwirksam auf der Weltklimakonferenz COP23 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Am Eingang zum Presseraum stand eine silberne Beethoven-Skulptur, auf einem Notenständer lag eine Faksimile-Ausgabe der autographen Partitur der Pastorale, herausgegeben vom Beethoven-Haus, einem weiteren Unterstützer des Projekts. Auf dem Podium war einige Prominenz versammelt, darunter Oberbürgermeister Ashok Sridharan, Bonns GMD Dirk Kaftan, Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes, Luis Gago, künstlerischer Berater des Beethoven-Hauses und Ovais Sarmad, Stellvertretender Generalsekretär des UN-Klimasekretariats.

Pastoral-Sinfonie zum Weltumwelttag 2020

Christian Lorenz, Künstlerischer Geschäftsführer der Beethoven-Jubiläumsgesellschaft, erläuterte, worum es im „Beethoven Pastoral Project“ geht. „Wir laden Künstler auf der ganzen Welt ein, sich durch ihre Auseinandersetzung mit Ludwig van Beethovens 'Pastorale'-Symphonie zu einem Netzwerk ('Pastoral Network') zusammenzuschließen und auf kreative Weise ein kraftvolles Statement für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung zu gestalten – für eine bessere Welt für uns alle!“ An ideellem Spirit kann das mit Beethovens Idealismus durchaus mithalten. Gedacht ist daran, möglichst viele Aufführungen der Pastoral-Sinfonie am 5. Juni 2020, dem Weltumwelttag, auf den Weg zu bringen – in welcher Form auch immer, im Original, als Arrangements oder als sich noch weiter vom Original entfernende Transkriptionen.

Daneben gibt es das „Pastoral Network“, in dem Komponisten, Jazzmusiker, Performer, Filmemacher oder Umweltaktivisten ihre kreative Sicht auf das Werk einbringen. Auf den Beitrag von „Green Peace“ darf man gespannt sein. In einem Werbevideo für das Projekt sprühte der chinesische Komponist Tan Dun geradezu vor Begeisterung, ebenso der Grenzen überschreitende Pianist Uri Caine, dem zu Themen aus der Pastorale jede Menge einfallen dürfte.

Koordiniert wird das alles über die Website www.beethoven-pastoral-project.com. Dort können sich interessierte Künstler registrieren. Fertige Beiträge sollen hochgeladen werden und stehen dann virtuell zur Verfügung. Einzige Bedingung: Ein Statement zum Umweltschutz und ein Bekenntnis zum Pariser Klimaabkommen muss mitgeliefert werden. Ob Beethoven diese Auflagen akzeptiert hätte, bleibe einmal dahingestellt. Die Network-Phase beginnt am 5. Juni 2018. GMD Dirk Kaftan machte bei der Präsentation auf die politische Dimension der „Pastorale“ aufmerksam, die durch Assoziationen an französische Revolutionsmusiken oder die Schweiz als das Land des Wilhelm Tell erfahrbar wird.

Ein Teilnehmer aus dem Publikum schlug vor, bei einer Aufführung der „Pastorale“ eine Dampfmaschine auf die Bühne zu stellen – vermutlich als Menetekel der beginnenden Industrialisierung. Nicht mehr als ein Gag – auch damit wird man beim „Pastoral Project“ rechnen müssen.