Bundespreises für Kunststudierende

Ausstellung von Studenten in der Bundeskunsthalle

Bonn. Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt die Preisträger des „Bundespreises für Kunststudierende“ nach neuem Reglement. Werke von acht jungen Künstlern sind zu sehen.

Alle zwei Jahre verwandelte sich die Bundeskunsthalle seit 1994 für ein paar Wochen in ein wuseliges Kunstlabor, in dem Positionen von morgen entwickelt und ausprobiert wurden, es gab wilde Experimente, verblüffende Höhenflüge und auch schmerzhafte Abstürze. Die Ausstellung zum Bundespreis für Kunststudienende war immer eine Wundertüte, ein Ort des Wettstreits von 24 Kunsthochschulen und Akademien, von jeweils rund 48 jungen Talenten. Der 1983 ins Leben gerufene Preis hat sich jetzt reformiert. Die Wundertüte dürfen jetzt nur noch die Juroren öffnen. Die Öffentlichkeit bekommt acht Preisträger präsentiert, die sich etwas komfortabler ausbreiten dürfen. Insgesamt hat die Preisschau in der Bundeskunsthalle jedoch – auf zwei Etagen verteilt – weniger Raum.

Die prämierten Arbeiten des Jahrgangs 2017 aber können sich unbedingt sehen lassen, die Juroren Rita Kersting vom Kölner Museum Ludwig, Bettina Steinbrügge vom Kunstverein in Hamburg und Matthias Ulrich von der Frankfurter Schirn lobten unisono das hohe Niveau der 50 nominierten Künstler und acht Sieger. Der eindrucksvollste Beitrag der Schau ist die raumfüllende Multimediainstallation „Default“ von Lukas Rehm und Tilmann Rödiger von der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

Die jungen Künstler haben ein Stück Ostgalerie in einen Newsroom mit Projektionen und Monitoren verwandelt, der die Krisensituation Griechenlands vom Finanzdebakel bis zur Flüchtlingskatastrophe akribisch und voller Empathie ventiliert. Akteure wie die Ozeanografin Nikoleta Bellou, der Arzt Giorgios Vichas, aber auch der mit dem Tarnnamen Reza bezeichnete Mann mit Taliban-Hintergrund steuern ihre Perspektiven bei. Eine beeindruckende Recherche mit umwerfenden auch erschütternden Bildern in einer exzellenten Präsentation.

256 Schachmatt-Situationen an der Wand

Einen ganz anderen Zugriff auf die Realität wählte Ivana Matic von der Kunsthochschule Mainz mit ihren delikaten Kohlezeichnungen auf Leinwand, die wandfüllend Maiskolben oder einen soghaften Blick in einen Korb hinein zeigen. Wuchernde Strukturen, Anhäufungen sind ihr Thema. Spannend geriet ihre Arbeit „Schachpositionen“, in der sie mit dem Bleistift insgesamt 256 Schachmatt-Situationen nachzeichnete.

256 kleine Dramen, an deren Ende je ein Königsmord steht. Stephanie Glauber von der Kunsthochschule für Medien in Köln hat einen in Zeiten von Bluetooth anachronistisch anmutenden, schicken Riesenadapter mit allen Steckern der Welt konstruiert, wendet in einer hochinteressanten Textarbeit die Metamorphose von einer mythischen Gestalt, der Bergnymphe Echo, über Eliza, das 1966 entwickelte Computer-Sprachprogramm bis hin zu Alexa, die digitale Assistentin des Online-Kaufhauses Amazon.

Eine poetische Videoarbeit präsentiert Paul Spengemann von der Hochschule für bildende Künste Hamburg. „Walking-Stick“ heißt sein Film über ein animiertes Insekt aus 13 Stöckchen, das an eine Stabheuschrecke erinnert. Als 3-D-Modell lässt er sein Wesen in einem Ficus Benjamini herumklettern und abstürzen. Gefilmt ist das Ganze mit einer wackligen Amateurkamera.

Vera Palme von der Städelschule in Frankfurt vertritt die einzige malerische Position – ihre Serie „Politics“ versucht, die Komplexität und Widersprüchlichkeit der Politik in eine abstrakte Bildsprache zu übersetzen. Sehr abstrakt ist auch das ausufernde „Dienstleister-Denkmal“ von Jonas Roßmeißl, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, das mit feiner Ironie und drastischen Objekten (tote Ratte mit Akupunkturnadeln) das Ende des Arbeitermythos beschwört.

Als politisches Statement könnte man auch die Arbeiten von Andrzej Steinbach, Kommilitone von Roßmeißl, interpretieren. Ein Foto von Andreas Baaders Plattenspieler, der auch Waffenversteck war, leitet über zu einem echten Plattenspieler, dessen Vinyl die Namen aller Mitglieder der Terrorgruppe Rote Armee Fraktion aufsagt. An der Wand lehnt ein Eigenbau-Schlagstock, der für eine Demo aus einer Strebe eines Einkaufswagens der Supermarktkette „Hit“ gebastelt wurde. Hit ist Englisch und heißt Schlag. Kalauernder Polit-Dadaismus trifft auf eher platte RAF-Nostalgie.

Bundskunsthalle; bis 28. Januar 2018. Di, Mi 10-21, Do-So 10-19 Uhr