Stipendiaten-Ausstellung

Arp Museum zeigt Leben und Lieben in der Zukunft

Remagen. Die Stipendiaten des Künstlerhauses Schloss Balmoral präsentieren sich im Arp Museum Bahnhof Rolandseck mit einer größeren Werkschau. Der Titel der Ausstellung lautet "Gestaltung der Zukunft".

Wie wollen wir leben, lieben und arbeiten?“ Wer anderes könnte eine passende Antwort auf diese entscheidende Zukunftsfrage stellen als junge Künstler? Am besten Künstler aus aller Welt? Ein Dutzend probiert es in der Ausstellung „Gestaltung der Zukunft“, die gegenwärtig den Bahnhof Rolandseck des Arp Museums füllt. Der Bahnhof wird zur Zukunftswerkstatt. Stipendiaten und Stipendiatinnen des Künstlerhauses Schloss Balmoral und des Landes Rheinland-Pfalz haben sich intensiv mit dem Thema befasst.

Gleich im Foyer sind Spuren dieser Auseinandersetzung zu sehen: Im Video „After the Future“ sieht man, wie Till Wyler von Ballmoos buchstäblich durch die Wand zu springen versucht. Eine schmerzhafte Prozedur. Gegenüber betört die Bildpoesie von Ruth Hutter – schöne Bilder von Ohnmacht und Kontrollverlust.

In der Ausstellungsetage prallen die Zukunftsvisionen und Recherchen aufeinander. Begeisternd ist etwa Konstantin Voits Analyse von Paris-Postkarten – eine Auswahl aus seinem Fundus von 10.000, die in der Frage mündet, wie und wodurch letztendlich das Bild einer Stadt geprägt wird. Von René Hüls kommt die Mahnung, die unter einem Plattenspieler steht: „Denn da ist eine leise Stimme, die dich nicht sieht. Du musst dein Leben ändern.“ Seine Installation „Industrie Instrumente“ stellt die Frage, ob wir uns vor einem Neuanfang befinden oder ob die Geschichte sich stets wiederholt.

Fragen der Erinnerung und Identität

Nelmarie du Preez thematisiert mit einem rotierenden Dreieck den Fetisch Technik, Soyoung Kims beeindruckende, bedrohliche Riesenzeichnung „Making a Circle“ kreist um die Fragen der Erinnerung und Identität. Laura Eckert ist mit in diesem Zusammenhang archaisch wirkenden Körpern vertreten.

Max Ruf geht mit seiner Serie „Volumen und Kapazität“ auf die geometrische Struktur von Räumen ein, während Björn Kühn die Besucher mit seinem schlangengleichen Objekt und etlichen Handlungsanleitungen dazu animiert, den Raum und die Szenerie auch physisch zu besetzen und nutzen. Absolut fesselnd ist Lisa Marie Schmitts originelle filmische Untersuchung des Stendhal-Syndroms im Film „Voyage Pathologique“ – es geht um Panikattacken, die die Touristen in Florenz beim Betrachten von Kunst und dem Besuch von Sehenswürdigkeiten befielen.

Andrea Éva Györis beide geradezu poetisch und sensibel agierende Videos kreisen um eine Brustkrebserkrankung und den psychischen und sinnlichen Umgang damit. Natur und Geometrie bringt Florian Graf mit seinen Skulpturen in der Arbeit „Bio Diversity“ zusammen: Sinnfällig wird die unendliche Variationsvielfalt geometrischer Konstellationen mit dem Reichtum der Natur in Beziehung gesetzt. Einen anderen Zugriff auf die Natur praktiziert Rieke Köster, die auf ihren Streifzügen quasi wahllos fotografiert und die Impressionen im Atelier mitunter zeichnerisch bearbeitet und in einen neuen Zusammenhang bringt.

Gregory Olympio, der einzige Maler unter den jungen Zukunftsforschern, ventiliert in seiner Serie „Futurs diners“ mit plakativer Pop-Art Themen wie kulturelle Identität, religiöse und politische Auffassungen, die sich unabhängig von der Hautfarbe manifestieren.

Die wohl interessanteste Arbeit der Zukunftsschau ist ein wuseliger Turm aus Dachlatten, Fundstücken und Monitoren. Die Künstlergruppe „The livelovework Collection“ um Bert Jacobs hat dieses Werk geschaffen: Der Leuchtturm ist das Ergebnis einer denkwürdigen Initiative. Einst klebte das begehbare Gebilde wie ein Schwalbennest an der Außenfassade des Künstlerhauses in Bad Ems. In Rolandseck ist ein Fragment davon zu sehen, auf den Monitoren werden Aktionen aus dem Leuchtturm dokumentiert.

Wissen wir jetzt, was die Zukunft bringt? Nein, aber die Annäherung allein ist schon spannend.

Arp Museum Bahnhof Rolandseck; bis 5. Mai. Di-So 11-18 Uhr.