Kommentar: Helmich ante portas

Es wäre zu hoffen, dass auf die Suche nach einem neuen Generalintendanten für das Bonner Theater nicht ein berühmtes Wort von Bertolt Brecht Anwendung findet: " Ja, mach nur einen Plan / sei nur ein großes Licht / und mach dann noch 'nen zweiten Plan / gehn tun sie beide nicht."

Dagmar Schlingmann, Wunschkandidatin Nummer eins für die Nachfolge von Klaus Weise ab der Spielzeit 2013/2014, sagte im Januar im letzten Augenblick ab. Kulturdezernent Martin Schumacher, der sie gern von Saarbrücken nach Bonn gelockt hätte, schüttelte sich nur kurz und begann die Suche von neuem.

In Chemnitz ist Schumacher fündig geworden. Bernhard Helmich heißt der neue Hoffnungsträger des Kulturdezernenten. Nach allem, was man aus Chemnitz hört, leistet der 49-Jährige an seinem Fünf-Sparten-Haus seit 2006 gute Arbeit. Er wäre also nicht zweite Wahl für Bonn, auch wenn ihm nicht als Erster das Jawort angetragen wurde.

Mit Spardebatten hat Helmich seine Erfahrung, wie fast jeder Intendant in Deutschland. In Bonn soll der Theater-Etat ab 2013/2014 um 3,5 Millionen Euro gekürzt werden. Dafür müsste Helmich ein Konzept entwickeln.

Ärger in seinem neuen Haus wäre also programmiert. Das ist das eine. Gleichzeitig ist er in den emphatischen Worten Martin Schumachers aufgerufen, das Theater in die Zukunft zu führen und noch intensiver "mit den Menschen in Bonn zu verbinden". Er soll sie alle einfangen: Jung und Alt, Traditionalisten, Avantgardisten und Unterhaltungsfans. Schwierig, aber machbar. "Es würde mich reizen", sagte Helmich am Montag.

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