Kommentar

Kameraüberwachung an Bahnhöfen - Schweigende Sprecher

Die Deutsche Bahn leistet sich eine riesige Abteilung zur Beantwortung von Presseanfragen mit dem beeindruckenden Namen "Kommunikations-Team". Nach den Erfahrungen der vergangenen Tage im Zusammenhang mit der Bonner Bombe schlagen wir der Bahn vor, sich - wie es so schön heißt - ehrlich zu machen. Wie wäre es mit einer Änderung des Namens in "Kommunikationsverhinderungs-Team"?

Nachdem unsere Zeitung der oben genannten Abteilung am Montag um 12.18 Uhr einen 15-teiligen Fragenkatalog zugemailt hatte, in dem es um die Kamera- und Videoüberwachung an Bahnhöfen in Bonn und anderswo in Deutschland ging, benötigten die Presse-"Sprecher" mehr als 27 Stunden für die Mitteilung, dass sie nichts mitteilen wollen.

Eingepackt wurde diese Nicht-Mitteilung in eine Standardmail mit der Standardaussage, man könne sich aus Sicherheitsgründen nicht detailliert äußern. Nicht einmal die simple Frage, seit wann am Bonner Hauptbahnhof Kameras installiert sind, wurde beantwortet.

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Nicht viel anders reagierte die Bundespolizei auf die wort- und zeitgleiche Anfrage unserer Zeitung. Immerhin bedankte man sich hier noch am selben Tag höflichst für das, so wörtlich, "Interesse an der Bundespolizei" und ließ durchblicken, dass man bei der Videoüberwachung auf dem Gebiet der Bahnanlagen "Optimierungsmöglichkeiten" sehe. Detaillierte Aussagen ließen sich aber "aus übergeordneten Erwägungen" nicht treffen.

Um es klar zu sagen: Man kann das alles so machen. Die Öffentlichkeit hat ja nicht nur ein Recht auf umfassende Information, vermittelt durch die Medien, sondern auch auf eine rasche Aufklärung dieses versuchten Terroranschlags und auf eine Verhinderung weiterer Taten. Es kann daher durchaus sinnvoll sein, etwa aus ermittlungstaktischen Gründen Informationen zurückzuhalten. Man kann sich aber auch allzu leicht hinter einer solchen Begründung verstecken, um eigene Versäumnisse zu verschleiern.

Fotos der Polizei zum Bonner Bombenfund
Es mutet doch geradezu wie ein Treppenwitz an, dass Bahn und Bundespolizei "aus Sicherheitsgründen" unter anderem nicht sagen mögen, wie viele Kameras denn nun Gleis 1 in Bonn konkret im Fokus haben, während sie offenbar kein Problem damit hatten, dass es dort keine Videoaufzeichnung gab und gibt - falls die Kameras überhaupt funktionstüchtig sind.

Man könnte auch einen Schritt weiter gehen und es für skandalös halten, dass die Ermittler nun auf die schlechten Bilder einer Mc-Donald's-Filiale angewiesen sind, weil man sich eine moderne Videoaufzeichnung in der Bundesstadt - im Wortsinne - gespart hat. Wer hat das warum entschieden? Und wer stellt diesen Missstand wann und wie ab?

Das Wort "Verantwortungsträger" kommt nicht von "verantwortungsträge". Und sprechen ist das Gegenteil von schweigen.

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