Kommentar

Die Zukunft des Nürburgrings - Noch nichts gewonnen

Mit dem Vergleich, den die Sanierer und die bisherigen Pächter des Nürburgrings am Dienstag geschlossen haben, ist zwar einerseits Unheil von der Eifel abgewendet, aber andererseits noch nicht viel gewonnen worden. Jetzt ist zwar klar, wer an der Rennstrecke zunächst einmal das Sagen hat: nämlich die Sanierungsgesellschaft.

Doch die Erklärungen der Vergleichspartner am Mittwoch - oder sind es weiter eher Kontrahenten? - haben eines gezeigt: Die bisherigen Pächter wollen so viel Einfluss wie möglich behalten. Ihr Ziel dürfte sein, weiterhin in der Eifel präsent zu bleiben, um mit diesem Wissen im Hinblick auf die Entscheidung über die Investoren im nächsten Jahr ein erfolgversprechendes Gebot abgeben zu können.

Vielen in der Eifel dürfte es nicht schmecken, wenn Kai Richter und Jörg Lindner, die Gesellschafter der privaten Betreiberfirma, die Rennstrecke noch immer nicht verlassen. Und dennoch: Ihnen ist sicherlich nicht an erster Stelle die Verantwortung für die lange Hängepartie zu geben. Dass die Düsseldorfer Kaufleute daran interessiert waren, am und mit dem Nürburgring Geschäfte zu machen, ist ihnen sicher nicht vorzuwerfen.

In diesen Tagen zeigt sich hingegen einmal mehr, was die Landesregierung alles falsch gemacht hat. Sicher: Kurt Beck und sein Kabinett hatten die Vorstellung, mit einem Freizeit- und Erlebnispark den Nürburgring vom Renngeschäft unabhängig und zu einer Ganzjahresattraktion zu machen und damit zugleich langfristig strukturpolitisch der Eifel Gutes zu tun.

Weil man in Mainz aber völlig an den Realitäten und der Machbarkeit eines solchen Projektes vorbeigeplant, den privaten Betreibern horrende Pachten auferlegt, später auch noch Zahlen geschönt und Fakten vertuscht hatte, ist das Gegenteil herausgekommen: nämlich ein riesiger Klotz am Bein des Landeshaushalts und letztlich des Steuerzahlers.

Jetzt müsste es eigentlich darauf ankommen, ständig in Brüssel auf der Matte zu stehen, dort Lobbyarbeit zu betreiben und dafür zu werben, dass der Nürburgring eine nationale Bedeutung hat, so dass die EU-Kommission nachvollziehen kann, warum das Land Beihilfen gezahlt hat.

Doch daran hapert es. Es wäre fatal, wenn sich das Land auf die Position zurückziehen würde, in Sachen Ring sei allein die Sanierungsgesellschaft am Zuge. Auch von Mainz aus kann einiges auf den Weg gebracht werden - auch im Hinblick auf die Ausschreibung.

Dass die Formel 1 für die Zukunftsfähigkeit des Rings und für die Menschen in der Region eine wichtige Rolle spielt, das galt vor Jahrzehnten schon und ist in diesen bewegten Zeiten genauso der Fall. Wenn der Boss der Königsklasse, Bernie Ecclestone, für ein Rennen 2013 nun positive Signale aussendet, lässt das hoffen. Auf Dauer dürfte es der Nürburgring ohne die Formel 1 schwer haben.

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