Editorial zu Künstlicher Intelligenz

Schleichende Umwälzung

Bonn. Künstliche Intelligenz steckt noch in den Kinderschuhen. Schon jetzt schafft die Technologie Erstaunliches. Doch was passiert, wenn KI missbraucht wird oder außer Kontrolle gerät? Das Thema polarisiert, meint unser Autor.

Menschen bringen einer Maschine anhand menschlicher Strategien ein Brettspiel bei. Das Resultat: Die Maschine schlägt einen der weltbesten Spieler 4:1. Nun lässt man die Maschine das Spiel selbstständig lernen. Das Ergebnis: In 100 Spielen besiegt die Maschine die jeweilige Vorgängerversion 100 Mal. Der Computer wird unschlagbar. Weil die Künstliche Intelligenz (KI) nicht mehr durch die Grenzen des menschlichen Wissens beschränkt wird. Ziemlich beeindruckend, oder?

Genauso wie die Künstliche Intelligenz, die italienische Forscher vorstellten: Sie kann mit einer Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent die Krankheit Alzheimer diagnostizieren – und zwar zehn Jahre bevor die ersten Symptome auftauchen.

Doch was passiert, wenn die Maschinen in die falschen Hände geraten? Autonome Waffen von Terroristen missbraucht werden? Oder Roboter einen freien Willen entwickeln und außer Kontrolle geraten? Ziemlich beängstigend, oder?

Erst recht, wenn man weiß, dass die Künstliche Intelligenz noch in den Kinderschuhen steckt. Auch wenn Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren schon rasante Fortschritte gemacht haben.

So oder so, das Thema polarisiert, wie Physiker Stephen Hawking 2017 bei einer der größten Technik-Konferenzen auf den Punkt brachte: „KI wird entweder das Beste sein, was der Menschheit jemals widerfahren ist – oder das Schlimmste.“

Grund genug für den General-Anzeiger, sich ausführlich mit dem Thema KI auseinanderzusetzen. Gerade auch, weil der Begriff Künstliche Intelligenz für die meisten Menschen noch völlig abstrakt ist. Dabei steuern Maschinen bereits Roboter im OP-Saal und selbstfahrende Autos, sie erkennen Gesichter oder militärische Strukturen und sagen die Wahrscheinlichkeit von Straftaten voraus. Und in Zukunft sollen sie noch mehr können, vielleicht gar über eine Intelligenz mit menschlichen Eigenschaften verfügen.

In einer 13-teiligen Serie widmen wir uns dem Thema aus möglichst vielen Perspektiven, sprechen mit Ingenieuren, Forschern, Unternehmern, Philosophen, Theologen, Ethikern. Wir erklären die Ursprünge Künstlicher Intelligenz, zeigen an konkreten Beispielen, wie sie heute eingesetzt wird und welche Entwicklungen sich für die Zukunft abzeichnen.

Denn eines scheint sicher: Mit der KI verhält es sich wie mit vielen anderen technologischen Entwicklungen. Zu Beginn scheinen sie uns uneinschätzbar. Dann, nahezu unbemerkt, machen sie sich in unserem Alltag breit. Und erst der Blick zurück verrät, wie sehr sie die Gesellschaft verändert haben.