Interview: Gaby Cremer, Initiatorin der Gruppe Eifelpendler

"So kann es nicht bleiben"

28.12.2015 Rheinland. Seit einem guten Jahr machen Zugreisende, die aus der Eifel nach Bonn oder Köln pendeln, ihrem Ärger über Verspätungen und Ausfälle Luft. In der Facebookgruppe "Eifelpendler" werden aber nicht nur Probleme dokumentiert.

Die Pendler richten sich mit konkreten Forderungen an die Verantwortlichen in Politik und den Verkehrsunternehmen. Seit einem guten Jahr machen Zugreisende, die aus der Eifel nach Bonn oder Köln pendeln, ihrem Ärger über Verspätungen und Ausfälle Luft. In der Facebookgruppe "Eifelpendler" werden aber nicht nur Probleme dokumentiert. Auch richten sich die Pendler mit konkreten Forderungen an die Verantwortlichen in Politik und den Verkehrsunternehmen. Mit Gaby Cremer, der Initiatorin der Gruppe, sprach Christoph Meurer.

Fahren Sie noch gerne mit der Bahn?
Gaby Cremer: Langstrecken fahre ich noch gerne. Aber das Pendeln ist mittlerweile eher ein Graus.

Sie haben vor rund einem Jahr begonnen, Verspätungen und Ausfälle auf der Voreifelbahn und den Zugverbindungen zwischen der Eifel und Köln zu dokumentieren. Was war die Ursache dafür?
Cremer: Ich pendle seit vielen Jahren zur Arbeit nach Bonn. Vor ungefähr zwei Jahren hat die Qualität auf der Voreifelstrecke deutlich nachgelassen. Man hat gemerkt, dass die damals eingesetzten Züge in die Jahre kommen. Dann habe ich mitbekommen, dass sich der Fahrplan im Dezember 2014 ändern und dadurch verschlechtern würde.

Traf das zu?
Cremer: Ich habe mich schlau gemacht und gesehen, dass sich durch Änderungen die Fahrzeit für Reisende aus der Eifel nach Bonn um 30 bis 40 Minuten verlängern wird. Das bedingte sich durch die vier zusätzlichen Haltestellen auf der Strecke (Rheinbach-Römerkanal, Alfter-Impekoven, Bonn Helmholtzstraße und Bonn-Endenich Nord, Anm. d. Red.) und die Verlängerung der Umsteigezeit in Euskirchen. Man brauchte schon vorher mindestens 90 Minuten aus der Eifel nach Bonn. Ich habe dann in Zügen Unterschriften gegen die Fahrplanänderungen gesammelt und die Facebookgruppe "Eifelpendler" gegründet.

Die Facebookgruppe hat aktuell rund 2000 Mitglieder. Haben Sie zu Beginn mit dieser Resonanz gerechnet?
Cremer: Ich habe damit gerechnet, dass es langfristig um die 500 Mitglieder werden. An 2000 Personen hätte ich nicht gedacht. Zumal sich Menschen auch schnell an Dinge gewöhnen - auch an Verschlechterungen.

Ein zentraler Aspekt der Eifelpendler-Gruppe ist die Dokumentation von Verspätungen und Zugausfällen auf der S 23 und den Verbindungen aus der Eifel nach Köln. Können Sie garantieren, dass Ihre Zahlen stimmen?
Cremer: Wir dokumentieren die Verspätungen mit Angabe der Zugnummer. Wenn also an einem Tag die gleiche Zugnummer mehrmals auftaucht, fällt das sofort auf. Mitte Dezember hatten wir auf beiden Strecken zusammen seit Januar dieses Jahres 101.906 Verspätungsminuten erfasst, davon 12.023 auf der Voreifelstrecke. Vollständig ausgefallen sind in diesem Zeitraum 369 Züge, davon wiederum 217 der Voreifelstrecke, also der S 23.

Wann haben Sie gemerkt, dass es um mehr geht als nur die Dokumentation von Missständen?
Cremer: Nachdem der Fahrplan im Dezember 2014 umgestellt wurde, ist die Gruppe von der Mitgliederzahl her explodiert. Ich wurde dann auch oft in den Zügen angesprochen. Zudem kamen dann die Pendler der Strecke nach Köln hinzu, die ihr Leid geklagt haben. Das Problem ist: Wenn sich die Anbindung der Eifel mit der Bahn nicht verbessert, wird die Eifel langfristig aussterben. Viele junge Menschen haben mir berichtet, dass sie wegziehen wollen, wenn es ins Berufsleben geht. Ich pendle seit neun Jahren und würde jedem abraten, das zu tun, weil es an die Substanz geht.

Sie sind bei vielen politischen Sitzungen und stehen mit den Verantwortlichen bei den Verkehrsunternehmen in regem Kontakt. Wie hat sich das entwickelt?
Cremer: Ich habe Kontakt zum Fahrgastverband Pro Bahn aufgenommen. Dort wurden Kontakte vermittelt, sowohl zum Zweckverband Nahverkehr Rheinland als auch zu Politikern. So wurde der Kreis immer größer. Seit geraumer Zeit habe ich das Gefühl, dass unsere Probleme ernst genommen werden.

Hat sich denn schon etwas verbessert?
Cremer: Die Türen der neuen Züge gehen mittlerweile viel schneller auf und zu. Das merkt man auf der Bonner Strecke gut. Auch wurde dort für drei Züge die Umsteigezeit in Euskirchen morgens verbessert. Ansonsten hat sich nicht viel verändert. Daher fordern wir auch weiterhin Schnellzüge von Euskirchen nach Bonn, die nicht an jeder Station halten. Es werden zwar immer wieder Gründe ins Feld geführt, warum das technisch nicht machbar sei. Ich glaube aber, dass es politisch nicht gewollt ist. Die Elektrifizierung der Strecken ist ein wichtiger, aber langfristiger Schritt. So wie es jetzt aber ist, kann es nicht bleiben. Auf der Kölner Strecke hat sich gar nichts verbessert.

Was muss sich ändern?
Cremer: Was sich für die Kölner Strecke ändern muss - und das ist ja auch zugesagt worden, ist der Umbau der Züge, damit sie mehr Platz bieten. Ansonsten würde ich mir wünschen, dass zumindest der erste Zug morgens zwischen Euskirchen und Bonn als Schnellzug verkehrt - und vielleicht auch einer am Nachmittag. Das wäre schon eine große Erleichterung. Verbessern muss sich auch die Informationspolitik der Bahn bei Verspätungen und Ausfällen. (Christoph Meurer)