40.000 Unterstützer für Protest

Online-Petition: Lehrer wollen Englisch-Prüfung im Ministerium ansprechen

Zentrale Prüfungs-Aufgaben zu schwer? Seit Donnerstag häufen sich die Beschwerden.

Bonn. Nach Protesten von Schülern gegen eine als zu schwierig empfundene Abschlussprüfung im Fach Englisch an Realschulen will der Verband Lehrer NRW das Thema im Ministerium ansprechen. Eine Petition fordert die Wiederholung und hat schon mehr als 40.000 Unterstützer.

Lehrer hätten beim Verband zu Dutzenden angerufen und E-Mails geschickt, sagte die Vorsitzende von Lehrer NRW, Brigitte Balbach, am Sonntag. "Das war zu schwer, das war außerhalb all dessen, was man hätte erwarten können". Eine von einem Schüler gestartete Online-Petition an das Schulministerium für eine Neuauflage der Prüfung hatte bis Sonntag schon mehr als 40.000 Unterstützer. Dort war in Kommentaren von schwierigen Vokabeln und schwer verständlichen Hörstücken die Rede.

Die Aufgaben werden auf unterschiedlichen Ebenen kritisiert. Beim Schwerpunkt Hörverstehen mussten Multiple Choice-Fragen beantwortet werden, obwohl die Sprecher eines Podcasts schlecht zu verstehen gewesen sein sollen. Bei Wortschatz- und Textverständnis-Aufgaben wird beanstandet, dass Vokabeln vorkamen, die den meisten Schülern nicht bekannt waren.

In der Englisch-Prüfung für den Mittleren Abschluss unter anderem an Real- und Gesamtschulen ging es um Apartheid und Südafrika. Beim "Hörverstehen" hätten die Schüler eine technisch schlechte Aufnahme bekommen, bei der die Sprache schlecht zu verstehen war, sagte Balbach. Deshalb hätten die dazu gestellten Fragen Probleme bereitet.

Auch in unserer Redaktion meldete sich noch am selben Abend ein betroffener Vater, der beklagte, dass die Oberstufenzulassung seines Sohnes aufgrund der unfairen Aufgaben gefährdet sei. Sein Sohn hatte berichtet, der Schwierigkeitgrad sei eher auf Abitur-Niveau gewesen.

Balbach sagte, sie wolle am Montag das Thema bei einer Sitzung des Hauptpersonalrats für Realschulen im Ministerium ansprechen. Sie forderte eine zentrale Lösung durch das Ministerium.

Die Zentralen Abschlussprüfungen

Seit dem Schuljahr 2006/2007 gilt in Nordrhein-Westfalen ein zentral organisiertes Abschlussverfahren für den mittleren Schulabschluss, auch Fachoberschulreife genannt. Alle Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen an Hauptschulen, Realschulen und Gesamtschulen nehmen daran Teil und bekommen die gleichen Aufgaben in den Fächern Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache, in der Regel Englisch.

Die Aufgaben kommen zentral vom Schulministerium NRW. In der Theorie garantiert das gerechte Prüfungsvoraussetzungen für die Schüler und eine gemeinsame Basis für einen aussagekräftigen Vergleich der erzielten Noten untereinander. Wenn das Ministerium bei der Aufgabenstellung mal etwas daneben liegt, betrifft das aber auch unweigerlich eine große Zahl junger Menschen und unter Umständen deren Chancen und Möglichkeiten einer weiteren beruflichen Laufbahn.

Welchen Erfolg die Petition im Endeffekt haben wird, ist noch ungewiss. Die Wiederholung einer Zentralen Abschlussprüfung bedeutet sowohl für das Schulministerium als auch für die Schulen einen enormen organisatorischen und finanziellen Aufwand. Möglicherweise führt die große Aufmerksamkeit aber auch schon dazu, dass die Notenschlüssel leicht angepasst werden, oder Lehrer bei Schülern, die zwischen zwei Noten stehen, etwas gutmütiger urteilen.

VBE-Chef lehnt Neuauflage ab

Am Freitagnachmittag hatte sich der Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung NRW zu Wort gemeldet, nachdem bereits 29.000 Stimmen für einer Neuauflage gestimmt hatten. Udo Beckmann sprach sich jedoch entschieden gegen eine neue Prüfung aus. „Eine Wiederholdung der Prüfung halten wir nicht für den besten Weg. Bedeutet das doch doppelten Stress für die Schülerinnen und Schüler.“

Sattdessen hielt es der VBE-Chef für sinnvoller, für die gestern geschriebenen Klausuren ein neues Bewertungsraster zu erstellen, falls sie tatsächlich so schlecht ausfallen sollten wie von den Schülern befürchtet. (Mit Material von dpa)