Götz Rehn: "Eine neue Kunst der Wirtschaft"

Wirtschaftsprofessor will an der Alanus Hochschule Institut für Sozialorganik gründen

Bonn. Götz Rehn, Gründer der Bio-Handelskette Alnatura, tritt zum Wintersemester 2007/2008 seine Honorarprofessur im Fachbereich Wirtschaft an der Alanus Hochschule an. Gestern hat er seine Antrittsvorlesung "Wirtschaft neu Denken" gehalten. Mit dem Unternehmer sprach Ulrike Strauch.

General-Anzeiger: Herr Professor Rehn, Sie beginnen jetzt Ihre Lehrtätigkeit in Alfter. Was möchten Sie Ihren Studenten dabei vor allem vermitteln?

Götz Rehn: Es geht im Prinzip darum, Wirtschaft neu zu denken. Jungen Menschen zu zeigen, dass sie einer Sinngebung bedarf und nicht allein aus sich heraus schon sinnvoll ist. Was wir brauchen, ist ein Zusammenspiel aus wirtschaftlicher Theorie und Praxis mit kreativem und künstlerischem Denken, um neue Perspektiven zu eröffnen. Und um den Menschen mit all seinen Ideen und seinem Potenzial wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Auch unsere Kunden wollen das.

GA: Welchen Umfang hat Ihre Lehrtätigkeit, und wie lässt sich dies mit Ihren Aufgaben als Unternehmer verbinden?

Rehn: Geplant sind zunächst einmal Blockseminare, zum Beispiel alle 14 Tage acht Stunden pro Woche. Darüber hinaus möchte ich an der Hochschule ein Institut für Sozialorganik als Lehre von der lebendigen Wissenschaft gründen und dort Anstoß für entsprechende Forschungen geben.

GA: Als Unternehmenspartner der Alanus Hochschule bieten Sie in Ihrer Firma auch Ausbildungsmöglichkeiten an. Was können die Studenten dort mitnehmen und wie sehen die ersten Erfahrungen mit dem akademischen Nachwuchs aus Alfter aus?

Rehn: Wir bieten ihnen eine praktische begleitende Ausbildung als eigenes Modul innerhalb ihres Studiums, jeweils zwei Monate pro Semester. Unser Ziel ist es, die Studierenden so weit zu bringen, dass sie nach drei Jahren beispielsweise eine unserer Filialen leiten könnten. Gewiss ein ehrgeiziges, aber nach unseren ersten Erfahrungen durchaus auch ein erreichbares Ziel.

GA: Wie beurteilen Sie die Chancen der Alanus-Absolventen im Fach Betriebswirtschaftslehre generell?

Rehn: Als sehr gut. Schon im Hinblick darauf, das allein unser Unternehmen in den nächsten Jahren Bedarf an 1 500 neuen Mitarbeitern hat. Wichtig ist aber auch, den Studierenden die Möglichkeit zu bieten, möglichst früh praktische Erfahrungen zu sammeln. Mein eigenes Studium war zum Teil schon sehr theoretisch.

GA: Hätten Sie selbst sich damals vielleicht Hochschullehrer wie Sie gewünscht?

Rehn: Auf den ersten Blick, ja. Doch bei näherer Betrachtung bin ich zufrieden damit, was ich mir während meines Studiums selbst erarbeiten musste, um auf der Basis später gedankliches Neuland betreten zu können. Auf diese Erfahrungen würde ich rückblickend nicht verzichten wollen.

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