Barbara Töpfer: "Grundsätzlich bekommt jeder ein Tier"

Vorsitzende des Bonner Tierschutzvereins zur Krise und Vermittlungspraxis

Die Wirtschaftskrise hat auch die Tierheime fest im Griff. Spendenrückgänge, steigende Tierarztrechnungen und immer mehr abgegebene Tiere. Mehr denn je ist da jede erfolgreiche Vermittlung ein Segen. Sollte man meinen. Viele Tierfreunde beschweren sich, dass sie im Bonner Tierheim Albert Schweitzer kläglich scheiterten.

Zu alt, berufstätig, wohnhaft in einer Sackgasse: Das sind nur einige von vielen genannten Gründen, weshalb Tierfreunde aus dem Bonner Tierheim mit leeren Händen nach Hause gingen. "Ganz so einfach machen wir es uns nicht", sagt Barbara Töpfer (62), die Vorsitzende des Bonner Tierschutzvereins. Mit ihr sprach Barbara Moitz.

General-Anzeiger: Aufgrund der Wirtschaftskrise sind viele Tierheime mittlerweile von der Insolvenz bedroht. Wie ist die Lage in Bonn?

Barbara Töpfer: Auch wir leiden unter der Krise. Die Spenden sind rasant zurückgegangen und viele Mitglieder zahlen ihre Beiträge nicht mehr. Gleichzeitig steigt aber der Kostenapparat durch höhere Tierarztrechnungen und Unmengen abgegebener Tiere. Vor der Schließung stehen wir jedoch noch nicht, da wir auch von der Stadt Bonn jedes Jahr 60 000 Euro bekommen.

GA: Das bedeutet, Sie sind vermehrt auf die Zuschüsse der Stadt angewiesen?

Töpfer: Dem ist so. Seit 20 Jahren kämpfen wir für eine Erhöhung und entgegen gesetzt dem, was viele Leute denken, werden die Zuschüsse pauschal und nicht danach vergeben, wie viele Tiere bei uns sitzen.

GA: Sie sprechen es selbst an: Viele Tierfreunde beschweren sich, dass sie bei Ihnen kein Tier bekommen haben. In letzter Zeit häufen sich die Klagen. Was läuft da schief?

Töpfer: Wir vermitteln im Jahr durchschnittlich 2 500 Tiere, das ist nicht weniger als früher. Ich glaube, es liegt daran, dass sich nur die Menschen mit negativen Erfahrungen an die Öffentlichkeit wenden.

GA: Einige ältere Menschen sagen, bei Ihnen bekämen Senioren keinen Hund. Wieso ist der Haushalt einer jungen Familie ein verlässlicheres Zuhause für ein Tier?

Töpfer: Grundsätzlich bekommt bei uns jeder ein Tier. Wir zählen in den letzten drei Monaten elf Vermittlungen an Menschen, die älter als 70 Jahre sind. Viel wichtiger als das Alter ist uns das Umfeld. Ist jemand da, der sich im Notfall um das Tier kümmern kann? Bekommt es genug Auslauf? Das sind die Fragen, die uns interessieren.

GA: Es gibt Tierheime, die verlangen Grundbuchauszüge zum Nachweis der Wohnsituation. Ist da nicht die Grenze der Vorsicht überschritten?

Töpfer: Definitiv. Das ist völlig übertrieben. Bei uns muss man eine Vermieterbescheinigung mitbringen und das war's. Man kann sich nicht einhundertprozentig absichern.

GA: Bei ihnen sitzen 272 Kleintiere. Ist man da nicht froh über jedes Meerschwein, das ein Zuhause findet?

Töpfer: Die Kleintiere sind in der Tat ein Problem. Wir können ihnen hier eine artgerechte Haltung ermöglichen, sind aber aufgrund der steigenden Anzahl gezwungen, sie - meist in die Käfighaltung - zu vermitteln.

GA: Immer wieder werden Vorwürfe in punkto Unhöflichkeit gegen ihr Personal erhoben. Wie erklären Sie sich diese?

Töpfer: Ich glaube gern, dass die Mitarbeiter ab und an etwas schroff sind. Neben der Tatsache, dass sie täglich die schlimmsten Tierschicksale erleben, werden sie von vielen Leuten angelogen. Die sagen, sie hätten einen Garten, dabei ist es in Wirklichkeit nur ein Balkon, verschweigen die Berufstätigkeit und so weiter. Darauf ist das Personal mittlerweile sensibilisiert und wirkt daher manchmal skeptisch.

GA: Aber muss nicht der Glaube an den guten Willen eines jeden Tierheimbesuchers im Vordergrund stehen?

Töpfer: Natürlich. Und ich gebe den Leuten recht: Wir haben Mitarbeiter, die wirken aufgrund ihrer Zurückhaltung eher unfreundlich. Trotzdem sind sie zuverlässig und gewissenhaft. Wir schicken sie in Schulungen und arbeiten daran.

GA: Halten Sie es für nötig, etwas gegen den negativen Ruf des Albert Schweitzer Tierheims zu unternehmen?

Töpfer: Auf jeden Fall. Wir haben unseren Tag der offenen Tür, damit sich die Leute selbst ein Bild von uns machen können. Im übrigen hat eine Umfrage von zwei Studenten aber ergeben, dass unser Image gar nicht so schlecht ist.

GA: Welchen Appell senden Sie an Tierfreunde und Ihr Umfeld?

Töpfer: Wir wünschen uns etwas mehr Verständnis. Wenn ein Tier aus der Stresssituation im Tierheim vermittelt wurde, kann es schon mal passieren, dass es krank wird. Da ist Geduld gefragt, und Parolen wie ?Die vermitteln nur kranke Tiere' sind fehl am Platz.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Bonner Tierheim gemacht? Schreiben Sie uns unter dem Stichwort Bonner Tierheim an General-Anzeiger, 53100 Bonn, mailen Sie uns an bonn@ga-bonn.de oder faxen Sie: (02 28) 66 88 615.