Annika Beck: "Ich will Profi werden"

Das Bonner Tennis-Talent spricht über ihren Erfolg beim "Junior Fed-Cup" und ihre Zukunftspläne

Bonn. Annika Beck ist eines der größten Talente im deutschen Damen-Tennis. Mit dem Juniorinnen-Team wurde die 15-jährige Annika Beck von BW Duisdorf jetzt Vize-Weltmeisterin.

Die zierliche Bonnerin führte die deutsche Juniorinnen-Nationalmannschaft bis ins Finale des "Junior Fed-Cups" - erstmals seit 13 Jahren gelang das dem DTB-Team. Im Finale mussten sich Beck, Anna-Lena Friedsam aus Oberdürenbach an der Ahr (die für Andernach spielt) und Stephanie Wagner (Amberg) Russland mit 1:2 geschlagen geben, nachdem vorher Siege über Mexiko (2:1), Tunesien (2:1) und China (3:0) in der Gruppenphase sowie im Halbfinale über die Slowakei (2:1) gelangen. Mit Annika Beck sprach Eric Graf.

General-Anzeiger: Gratulation zu diesem Erfolg. Kam es nach der Europa-Qualifikation überraschend, dass das Team so weit gekommen ist?

Annika Beck: Vielen Dank. Das kann man schon sagen. Damit hatte wohl auch beim Deutschen Tennis-Bund niemand gerechnet. Schließlich stellten wir mit drei 15-Jährigen das jüngste Team überhaupt. Und dann war Anna-Lena auch noch erkrankt und fiel mehrfach als Einzel-Spitzenspielerin aus. Wie auch immer, für den DTB ist das ein ganz großer Erfolg. Wir haben bewiesen, dass es guten und erfolgreichen Nachwuchs in Deutschland gibt.

GA: Dann hatten Sie durch Friedsams Ausfälle zusätzliche Einsätze in Einzel und Doppel?

Beck: Ja, ich konnte mich mit sieben von acht Einzelspielen und zwei Doppeleinsätzen sicher nicht beklagen. Dreimal war ich die Nummer eins im Team mit einer 1:2-Bilanz; als Nummer zwei habe ich alle vier Spiele gewonnen - wie auch beide Doppel mit Stephanie. Das alles innerhalb von zehn Tagen. Das war schon ziemlich anstrengend, zumal in 2 000 Metern Höhe das Tennisspielen nicht unbedingt reines Vergnügen bedeutet. Schon alleine die Flugkurve des Balles ist eine vollkommen andere, der fliegt einfach viel länger.

GA: Sie haben inzwischen den Trainer gewechselt. Hat das in kurzer Zeit schon Erfolge gebracht?

Beck: Richtig ist, dass ich nicht mehr beim Mittelrhein-Verband in Chorweiler und Duisdorf trainiere. Robert Orlik, der ehemalige Spitzenspieler vom RTHC Bayer Leverkusen, ist seit drei Monaten mein Trainer. Er ist mit Eduard Dawydenko, dem älteren Bruder von Profi Nicolai Dawydenko, eine Partnerschaft eingegangen. Wir trainieren täglich in Leverkusen oder Mettmann. Und das hat mich schon sehr viel weiter gebracht. Mein Aufschlag ist viel variabler geworden und meine Vorhand kommt druckvoller, präziser und schneller. Ich bin froh, den Schritt getan zu haben.

GA: Wie geht es sportlich weiter? Was sind Ihre Ziele?

Beck: Die Tendenz ist nach wie vor klar, ich will Profi werden. Im nächsten Jahr soll es auch beispielsweise zu den Australien Open und den US-Open gehen. Unabhängig davon - die Schule darf nicht leiden. Das Abitur an der Liebfrauenschule, der ich für all die Unterstützung so sehr dankbar bin, ist Pflicht. Ein Schuljahr habe ich schon übersprungen, in der 12. Klasse bin ich ja nicht mehr so weit davon entfernt. Wenn ich von Verletzungen verschont bleibe, kann ich sicher bald schon meinen Traum umsetzen. Es könnte auch sein, dass ich zum nächsten Jahr den Verein wechsele. Angebote liegen jedenfalls aus der Bundesliga genügend vor.

Zur Person Annika Beck begann mit dem Tennisspielen beim HTC SW Bonn, wechselte vor zwei Jahren zu BW Duisdorf und gehört seit Jahren zur Nachwuchsspitze in Deutschland. 2008 holte sie als U-14-Spielerin in der Halle erstmals den Titel als deutsche Meisterin im Einzel und Vize-Meisterin im Doppel. In der deutschen Rangliste der Damen wird sie auf Platz 43 in der Einzelwertung geführt; die ITF-Rangliste der Juniorinnen (bis 18 Jahre) weist sie als Nummer 67 der Welt aus.