Kommentar zu Putins Pressekonferenz

Weltbild aus Beton

Wladimir Putin ist besser in Form denn je. Russlands Staatsoberhaupt witzelte und drohte, lobte und lachte, betete auswendig Wirtschaftsdaten herunter, flunkerte zwischendurch auch heftig, hielt wieder einmal eine mehr als tausendköpfige Journalistenmeute glänzend in Schach.

Kein Wunder, dass bei der diesjährigen Jahrespressekonferenz keiner von ihnen wissen wollte, ob Putin bei den nächsten Präsidentschaftswahlen 2018 wieder kandidieren wird. Natürlich wird er.

Viel Neues hat der Kremlchef dabei nicht erzählt. Und das, was neu war, kam einem irgendwie auch bekannt vor. Etwa seine donnernde Schelte gegenüber der türkischen Führung, mit der er seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch türkische Düsenjäger in Fehde liegt. Diese Schelte erinnerte sehr an Putins Tadel für die ukrainische Staatsführung, mit der er sich bekriegt. Sicher, er erboste sich noch lautstärker über Amerika, das er massiv als Drahtzieher hinter allen ukrainischen Bosheiten verdächtigte.

Am Donnerstag suchte er aber sogar Gemeinsamkeiten mit den verschmähten USA, lobte sie für ihre Pläne zur Lösung des Syrienkonfliktes. Bloß, dann erinnerte er sich wieder, wer schuld ist an allem Unbill, auch im Nahen Osten, und warf Washington Ölschmuggelkumpanei mit dem IS vor.

Putin bewegt sich auf einer Argumentationsschiene, die er wohl kaum noch verbiegen wird. Die alten Feinde bleiben, neue kommen dazu. Ein Weltbild, dass er bis zum Stahlbeton verfestigt hat. Es wird für den Westen nicht leichter werden, mit Putins Russland auszukommen.