Kommentar

Von der Leyens Einsatz

Von der Leyen besucht Afghanistan

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Camp Marmal in Masar-i-Scharif, Afghanistan.

Bald also der nächste Marschbefehl für die Bundeswehr. Außerhalb des Nato-Bündnisgebietes, aber innerhalb der europäischen Interessensphäre, rufen Verbündete zum Einsatz in Afrika auf den Plan.

Die frühere Kolonialmacht Frankreich, lange Zeit eine Art Gendarm auf dem afrikanischen Kontinent, hat sich bei ihren Einsätzen in Mali und der Zentralafrikanischen Republik verrechnet, man könnte wohl auch sagen: verhoben. Jetzt sollen Partner in Europa, darunter Deutschland, den Franzosen zu Hilfe eilen.

In der Zentralafrikanischen Republik, etwa zweimal so groß wie Deutschland, ebenso wie in Mali, wo deutsche Soldaten bereits malische Regierungseinheiten trainieren beziehungsweise beim Lufttransport Truppen und Gerät von und nach Mali fliegen.

Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande hatte vergangenes Jahr eigene Truppen in den Wüstensand geschickt, nachdem radikale Islamisten den Norden des Landes besetzt hatten. Die schlecht organisierten und mangelhaft ausgerüsteten malischen Regierungstruppen konnten das Chaos nicht mehr ordnen. In der Zentralafrikanischen Republik ist die staatliche Unordnung nicht geringer. Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian beschwichtigte noch Ende vergangenen Jahres, in dem Land tobten lediglich ein paar anarchische Banden.

Doch die Fremdenlegionäre und Spezialkräfte der Kolonialmacht werden mit ihnen nicht fertig. Ursula von der Leyen steht nun vor ihrem ersten Auslandseinsatz als neue Bundesverteidigungsministerin, deren Start oder Mandatserweiterung sie selbst verantwortet.

Eine reine Solidaritätsadresse bei ihrem Antrittsbesuch gestern Abend in Paris hätte nicht genügt. Die Bundesregierung muss, wenn sie aus nahe liegenden Gründen auch keine Bodentruppen in die Zentralafrikanische Republik schicken will, andere Leistungen zur Unterstützung der Franzosen liefern.

Lufttransport ist bei solchen Einsätzen immer willkommen, eventuell sogar in die Hauptstadt Bangui. Die EU-Außenminister haben die Marschroute mit ihrem gestrigen Beschluss für eine europäische Militärmission in der Zentralafrikanischen Republik vorgegeben.

Wenn von der Leyen dieser Tage darauf verweist, dass die Bundeswehr gewissermaßen ein weltweit agierender Konzern sei, können die nächsten Auslandseinsätze nicht verwundern. Afrika ist Nachbarkontinent Europas. Frankreich, Belgien, Italien, Portugal oder auch Deutschland hatten dort Kolonien. Sie haben afrikanische Staaten geprägt und beherrscht.

Und sie pflegen bis heute noch teilweise enge Wirtschaftsbeziehungen. In Europa kann niemand wirklich wollen, dass fanatische Religionskrieger (siehe Mali) instabile Regierungen ersetzen. Auch wenn es nicht populär ist: Ein halbwegs stabiles Mali ist auch in europäischem Interesse.