Ukraine - Grausame Logik

Dass die neue Waffenruhe gerade in Debalzewo scheitern würde, zeichnete sich schon bei den Minsker Verhandlungen ab. Es heißt, damals, am Donnerstag, hätte Wladimir Putin darauf bestanden, die Waffenruhe erst für Sonntagnacht auszurufen, um noch ein paar Tage mehr für die Rebellenoffensive bei Debalzewo zu herauszuschinden.

Und fast die Hälfte der 16-stündigen Debatten zwischen Wladimir Putin und Petro Poroschenko soll sich darum gedreht haben, ob die ukrainischen Truppen in Debalzewo tatsächlich vollständig von den prorussischen Separatisten eingekreist seien oder nicht. Jedenfalls widmete Putin hinterher die Hälfte seiner Pressekonferenz dieser Frage.

Er nahm dabei jene Lesart vorweg, derer sich die Rebellenführer jetzt dröhnend bedienen: Wir haben Debalzewo eingekesselt, also gehört der Kessel uns, wir dürfen alles, was drin steckt, weiter beschießen.

Das klingt geheuchelt. Umgekehrt hat die ukrainische Militärführung monatelang versäumt, die keck vorstehende Frontzunge bei Debalzewo zu räumen, und so die jetzt tobende Kesselschlacht selbst provoziert. Ganz offenbar halten die Ukrainer noch immer - oder jetzt wieder - einen ganz schmalen Flaschenhals aus zermalmten Feldwegen, der die vollständige Einkesselung verhindert.

Aber es entspricht nur grausamer Kriegerlogik, dass die Rebellen diese abstruse Frontscharte auswetzen wollen, ehe sie sich um den neuesten Waffenstillstand scheren, an dessen Inhalt sie doch nicht glauben. Der Konflikt ist offenbar noch zu jung und zu blutrünstig für eine friedliche Lösung.