Todesfälle in Neugeborenen-Station: Offenbarungseid

Es ist ein Skandal der besonderen Art. Vor fast einem Jahr wurden die lebensgefährlichen mulitresistenten Keime auf der Bremer Frühgeborenen-Station entdeckt, drei Kinder kamen ums Leben. Jetzt weiß man: Schon 2009 war der Keim an der Klinik vorhanden.

Die Neugeborenen-Intensivstation wurde renoviert, desinfiziert - und und wieder werden zwei Frühgeborene mit den Keimen infiziert. Noch ist unklar, ob ihr Tod mit den Bakterien unmittelbar in Zusammenhang steht. Klar ist aber: Die Stellungnahme der Klinikleitung ("Wir sind überrumpelt und ratlos") ist ein Offenbarungseid, der fassungslos macht.

Erhebliche Hygiene- und Organisationsmängel hatten Experten der Klinik attestiert. Das Schlimme: Die Klinik ist kein Einzelfall. Krankenhaus-Hygiene ist ein Stiefkind im deutschen Gesundheitswesen, Mängel gehören an vielen Kliniken zum Alltag. Jedes mal die Hände desinfizieren, bevor eine Spritze gesetzt oder ein anderer Patient behandelt wird, wird zu häufig unterlassen - von Ärzten und Pflegern, in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen.

Mangelndes Hygienebewusstsein mag eine Ursache sein, aber auch der stetig wachsende Zeitdruck, unter dem alle Beschäftigten im Gesundheitswesen stehen. Völlig unerklärlich auch, warum noch immer nicht alle neuen (und entlassenen) Patienten darauf untersucht werden, ob sie Träger der gefährlichen multiresistenten Keime sind. Drei bis 15 Euro kostet so eine Untersuchung - wenig Aufwand, mit dem viel Leid vermieden werden könnte.

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