Kommentar

Sommergrippe

Bonn. Die deutsche Wirtschaft hat die Sommergrippe. Und die Infektionsherde sind schnell ausgemacht: Der starke Euro macht den exportorientierten Unternehmen zu schaffen.

Im europäischen Ausland schwächeln nach wie vor wichtige Abnehmerländer; zuletzt rutschte Italien wieder in die Rezession. Folge: Die deutsche Industrie bekommt deutlich weniger Aufträge. Ansteckend wirken auch die internationalen Krisenherde und besonders die Wirtschaftssanktionen im Verhältnis zu Russland. Das Moskauer Embargo bei Lebensmitteln trifft die europäische Landwirtschaft, die jetzt auf einmal auch wieder kämpfen muss.

In wenigen Wochen hat sich damit die konjunkturelle Großwetterlage deutlich eingetrübt. Das Wetterleuchten am Aktienmarkt in der vergangenen Woche spiegelt das wider . Und die Erwartungen der Finanzmarktprofis, die das Mannheimer ZEW abfragt, fallen entsprechend negativ aus.

Für Deutschland gilt: Es sind Sorgen auf hohem Niveau. Wie schnell und brutal es abwärts gehen kann, hat aber die Wirtschaftskrise vor sechs Jahren gezeigt. Es ist richtig, dass die Verbände Druck auf Berlin ausüben, die Wirtschaft aus den politischen Krisen herauszuhalten. Die Bundesregierung hat zuletzt ökonomische Fehler gemacht, verteilt, wo es nichts zu verteilen gibt, die Falschen belohnt und die Falschen bestraft.

Morgen veröffentlicht das Statistische Bundesamt die Zahlen zum Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal. Wahrscheinlich wird es keines gegeben haben. Dazu braucht die Wirtschaft bessere Medizin.