Kommentar

Solarindustrie in der Krise - Planwirtschaft

22.03.2012 Sonnenfinsternis über der deutschen Solarbranche. Nach Jahren kräftiger Expansion und guter Gewinne gehen bei immer mehr Firmen die Lichter aus. Solon ist pleite, Solar Millennium ebenfalls, und gerade vorgestern stellte auch der sauerländische Solarkraftwerk-Entwickler Solarhybrid Insolvenzantrag. Ums Überleben kämpfen Q-Cells und Conergy. Mit tiefroten Zahlen kämpft die Bonner Solarworld, die trotzdem im Branchenvergleich noch vergleichsweise gut dasteht.

Die Ursachen für den Niedergang der deutschen Solarbranche sind schnell aufgezählt. Weltweite Überkapazitäten und hohe Lagerbestände drücken brutal auf die Preise. In den vergangenen zwei Jahren verbilligten sich Solarmodule um mehr als die Hälfte.

Ursache für die Überkapazitäten wiederum sind die massiven staatlichen Förderprogramme, nicht nur, aber vor allem auch in Deutschland. Solarfirmen schossen deswegen weltweit wie Pilze aus dem Boden. In Europa, USA und China wurden gigantische Produktionsanlagen errichtet. Schließlich war die politische Richtung lange eindeutig: Dem "guten" Solarstrom sollte das Feld bereitet werden. Koste es, was es wolle.

Mit einem Vielfachen des Preises für normalen Strom wurden die Verbraucher in Deutschland für das Nischenprodukt anfänglich belastet. Auch wenn die Vergütung seither stetig sinkt - Privatleute, Unternehmer und öffentliche Einrichtungen wie Schulen nageln angesichts nach wie vor guter Renditen Dächer und Freiflächen mit Solarmodulen zu. Die Kosten trägt die Allgemeinheit. Die Strompreise steigen rasant. Mehr als 100 Euro zahlt ein Durchschnittshaushalt in Deutschland heute pro Jahr für die Förderung alternativer Energien, Tendenz steigend. Viele Menschen können ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen, die Verbraucherzentralen warnen bereits vor einer "Energiearmut".

Was Experten seit Jahren vorausgesagt haben, dass nämlich die übertriebene Solarförderung nicht bezahlbar ist, dämmert langsam auch der Politik. Seit Monaten rudert die Bundesregierung zurück, kappt wiederholt außerplanmäßig die Einspeisevergütungen. Auch andere Länder ziehen die Notbremse. Wenn jetzt deswegen weniger Solaranlagen gebaut werden, wird das für die Firmen, die zuvor mit den Subventionen gepäppelt wurden, nicht leichter. Und der Strom wird auch nicht billiger: Die bisherigen Zahlungsverpflichtungen für die deutschen Stromverbraucher aus den in den vergangenen 20 Jahren gebauten Anlagen summieren sich auf mehr als 100 Milliarden Euro.

Wechselnde 20-Jahrespläne für die Solarförderung, ein Elfjahresplan für den Atomausstieg, ein Neunjahresplan für Elektroautos - man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass in der Energiepolitik vor allem eines herrscht: Planwirtschaft - mit all ihren negativen Folgen. (Julian Stech)