Kommentar zu Franz Beckenbauer

Reden wir mal

Was einer wie Franz Beckenbauer anpackt, gelingt. Glaubt man. Kann nur gelingen, wenn man geboren wurde als eine Art Dalai Lama im Land der Glückspilze. Das war vor 70 Jahren und nur in München-Giesing. Aber so einem fällt alles in den Schoß. Oder den Fuß.

Das Gefühl etwa, dank dem Beckenbauer einst seine Außenristpässe auf dem Platz millimetergenau an den Mitspieler brachte. Er wurde Weltmeister als Spieler, als Trainer, wurde Kaiser. Mit seiner Strahlkraft holte er 2006 die WM ins eigene Land, war Erschaffer und als OK-Chef Moderator des Sommermärchens. Nur, dass während des Turniers fünf Wochen lang die Sonne schien, das hatte Beckenbauer entgegen anders lautender Vermutungen nicht angeordnet.

Gerade aber macht sich eine tiefe Herbstdepression rund um den DFB auf, das Sommermärchen sehr viel blasser aussehen zu lassen. Das hat viel mit der Person Beckenbauers zu tun. Dass er, der Bauchmensch, in all den Jahren nicht immer ausreichend Wert auf seine Kopfentscheidungen gelegt hat, ist nicht zu übersehen. Zu oft verlief er sich auf öffentlichen und privaten Wegen. Ein flockiger Spruch aber, ein Schmunzeln hier, ein Schweigen da - und alles schien nur noch halb so wild.

Nun jedoch reicht sein launig dahergerolltes "Schau'n mer mal" nicht aus, um die bohrenden Fragen aus Sport und Politik zu beantworten. Denn Beckenbauer wird mit versuchtem Stimmenkauf vor der WM-Vergabe in Verbindung gebracht. Ein von ihm unterschriebenes Dokument soll das belegen. Bewiesen ist der Betrug nicht. Umso wichtiger ist es, dass er seine Teflonqualitäten, alles von sich abprallen zu lassen, diesmal nicht hervorhebt.

Er sollte reden. Aufklären, um einem Neuanfang beim größten Sportverband der Welt die Türen zu öffnen. Um dem Nachfolger des zurückgetretenen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach keine zu schwere Hypothek mit auf den Weg zu geben. Aber auch, um seinem angeblichen Freund Niersbach, den er bislang alleine hat stehen lassen, möglicherweise einen Dienst zu erweisen. Denn sonst klingt das, was Niersbach einst über ihn sagte, wie (Kaiser-)Schmarrn: Beckenbauer, meinte Niersbach, sei "ein wunderbarer Mensch".