Kommentar

Rücktritt von Hartmut Mehdorn - Fluchhafen

Hartmut Mehdorn ist dann mal weg. Sein Angebot an den Aufsichtsrat, das Amt als Geschäftsführer des Hauptstadtflughafens BER so lange weiter auszuüben, bis ein Nachfolger gefunden ist, klingt großherzig.

In Wahrheit ist Mehdorns Abgang eine Flucht. Geschäftsführer eines Flughafens, den es seit sechs Jahren schon geben sollte, den es aber in den kommenden anderthalb Jahren auch noch nicht geben wird - das wollte er nun länger nicht mehr sein.

Geflohen ist Mehdorn nicht nur vor dem Planungswirrwarr, den haarsträubenden Unzulänglichkeiten der Bauabschnitte und der weltweit bestaunten Peinlichkeit. Letztlich fühlt sich Mehdorn wohl vor allem zermürbt von Konflikten mit dem Aufsichtsrat, der unfähig ist, einen Kurs vorzugeben. Der nun ausgeschiedene Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) haben ihre Aufsichtsfunktion allzu lax ausgeübt (wie gewiss auch der Bund) und sich hinter der Maxime verschanzt, dass sie den Ausführungen der Experten und Ingenieure folgen müssten.

Inzwischen aber herrscht ein anderer Wind. Dass der Aufsichtsrat eine externe Prüfung der Arbeit Mehdorns veranlasst hatte, ist eine offene Misstrauensbekundung. Dass auf Veranlassung des neuen Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) in der Aufsichtsratssitzung vom vergangenen Freitag eine Vorlage gestoppt worden war, die einen Großauftrag Mehdorns an die Beratungsfirma vorsah, mit der dieser zusammenarbeitet, ist ein weiterer Ausweis zerstörten Vertrauens.

Mag sein, dass es aber nicht nur um zerstörtes Vertrauen, sondern mehr noch um erschüttertes Selbstvertrauen geht. Mehdorn umwehte die Aura des Machers. Aber der forsche Schritt verliert sich schnell beim Marsch auf märkischem Sand. Der Macher musste einsehen, dass der Flughafen, wenn er einmal kommt, viel zu klein konzipiert ist, dass angestückelt und improvisiert werden muss - selbst wenn alle Planungen erfolgreich umgesetzt werden. Frustrierend.

Zumal auch der am Freitag ausgerufene Eröffnungstermin (mittlerweile der fünfte!!) ehrgeizig ist. Mehdorn hatte sich dagegen gesträubt, musste dann aber in die Rolle des Optimismus-Beauftragten schlüpfen, weil Michael Müller einen Termin haben wollte. Die Botschaft verkündete Mehdorn noch pflichtgemäß, der Glauben ist ihm längst abhanden gekommen.

Nun also muss ein Nachfolger her - und man wird sich dort umschauen, wo Flughäfen funktionieren - in Köln/Bonn zum Beispiel. Aber wer tut sich eine solche Aufgabe an? Nun ja. Berlin ist eine schöne Stadt, in der man nicht nur arbeiten, sondern auch gut leben kann. Und der Nachfolger kann immerhin eine ganze Weile damit argumentieren, das ganze Chaos nicht verursacht zu haben. Und wenn der Hauptstadt-Airport einmal eröffnet würde - ja, das wäre schon einen Umzug wert.