Zu Griechenland

Partner Tsipras

Brüssel. Alexis Tsipras hat recht: An Neuwahlen in Griechenland führt kein Weg vorbei. Innerhalb von gerade mal acht Monaten hat sich der Premier vom lautstarken Gegner aller Reformauflagen der Geldgeber zu deren Verteidiger entwickelt.

Der Regierungschef musste das Wort brechen, das er seinen Wählern gab. Seine Partei zerfasert. Eine Mehrheit bringt sie nur noch mit Mühe zusammen. So kann man das Land nicht derart umfassend sanieren, wie Tsipras dies als Gegenleistung für ein 86 Milliarden Euro schweres drittes Hilfspaket versprechen musste.

Demokratisch macht der Premierminister alles richtig, politisch ist der Schritt dennoch fatal. Nichts kann das Land im Moment weniger gebrauchen als eine Führung, die nicht handlungsfähig ist. Denn eigentlich wären nach dem Kraftakt der zurückliegenden Wochen endlich ruhiges Fahrwasser und eine politische Spitze nötig, die handeln und umsetzen kann.

Die Vorstellung, es könne zu einem erneuten Machtwechsel kommen, am Ende gar zu einer Übernahme der Regierungsgeschäfte durch die Gegner des jetzigen Abkommens mit dem Euro-Raum, ist einfach nur erschreckend - und schädlich. Denn für potenzielle Investoren bedeutet das, was sich in Athen da jetzt anbahnt, nur weitere Unsicherheit und Ungewissheit.

Tsipras hat sich trotz aller politischen Fehler und Ungeschicktheiten am Ende als Partner erwiesen, mit dem man arbeiten könnte. Besser jedenfalls als mit einem Regierungsbündnis, in dem die schwachen Konservativen oder Sozialdemokraten den begonnenen Weg fortsetzen müssten.