Kommentar

Offizielle Eröffnung des WCCB: Bonns Zukunft

Das, was am Sonntag die Stimmung bei der Eröffnung des World Conference Centers prägte, war Hoffnung. Die Hoffnung, dass jetzt - nach all den Pleiten, Betrügereien und Kostenexplosionen - alles doch noch gut wird. Was lange währt...

Bonn kann das gebrauchen, Deutschland auch. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat das in seiner Eröffnungsrede sehr eindringlich deutlich gemacht. Denn es ist - immer noch - alles andere als selbstverständlich, dass ausgerechnet eine deutsche Stadt UN-Stadt für Nachhaltigkeit und Entwicklung geworden ist.

Jenen Vereinten Nationen, die als Reaktion auf die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges entstanden sind, jenen UN, in denen zunächst kein Platz für Deutschland war. Doch es ist folgerichtig, dass Bonn diese Stadt geworden ist, ging doch von ihr auch der Wiederaufbau des demokratischen Deutschland vor 70 Jahren aus. Steinmeier brachte das gestern auf die Formel: "Die Stadt Bonn beweist aufs Neue, dass sie großen Ideen einen Ort bieten kann."

Das sind große Worte, das sind Worte, die die Stadt in die Pflicht nehmen. Worte, die aber auch belegen, wie weitsichtig es nach dem Verlust der Hauptstadtfunktion unter anderen von der damaligen Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann war, die Stadt in diese internationale Richtung zu entwickeln. All die Fehler und Überforderungen bei der Realisierung des Baues bis hin zu den laufenden Strafverfahren können an der Richtigkeit dieser Grundorientierung nichts ändern.

Wohl aber steigert die Vorgeschichte die Verantwortung derer, die heute in der Stadt und beim WCCB das Sagen haben. Denn die Millionenfalle, als die sich der Bau erwiesen hat, verurteilt Stadt und WCCB-Management geradezu zum Erfolg. Und der ist kein Selbstläufer, selbst wenn OB Jürgen Nimptsch mit der Bemerkung Recht haben sollte, dass das WCCB das derzeit modernste Konferenzgebäude Europas ist. Es ist jedenfalls ein sehr gutes Kongressangebot, erst recht in der Kombination mit dem alten, neuen Plenarsaal - das mindestens ist einmalig in Europa.

Doch die Säle wollen gefüllt sein. Dazu gehört nicht nur eine gute Eröffnung, dazu gehört ein ideenreiches Konferenzmanagement auf der Höhe der Zeit. Daran, dass es dies bereits gibt, muss man jedoch gleich wieder Zweifel anmelden. Wer sich etwa den Online-Auftritt des WCCB anschaut, wird feststellen, dass er im Wortsinne von gestern ist, dass es dort von überholten Meldungen nur so wimmelt. Das heißt: Mit der Eröffnung des Gebäudes ist es bei Weitem nicht getan. Denn die Vereinten Nationen allein werden das World CC nicht mit Leben füllen (können).

Fast alle Festredner sprachen gestern von der hohen Bedeutung des Zentrums für die Entwicklung der Stadt. Es ist vermutlich sogar von entscheidender Bedeutung. Die Chance für eine neue Ära ist da, Bonn darf sie nicht vertun.