Kommentar

Nordkoreas Atomtest - Es wird ernst

Nordkoreas Säbelrasseln geht in eine neue Runde. Und dieses Mal könnte es wirklich ernst werden. Wie angedroht, hat das Regime um Jungdiktator Kim Jong-Un Nordkoreas dritte Atombombe gezündet.

Das allein gibt schon Grund genug zur Sorge. Denn obwohl es dem letzten noch stalinistisch regierten Staat bislang an einer tauglichen Trägerrakete fehlt, die mit atomaren Sprengköpfen auch bestückt werden kann, rückt Nordkoreas Aufstieg zu einer Atommacht bedrohlich näher. Doch das ist leider nicht alles. Auch der angedrohte Militärschlag gegen Südkorea wird wahrscheinlich.

In noch nicht gekannter Schärfe hat Chinas Führung gestern Nordkorea für das Zünden der Atombombe angegriffen und sogar den nordkoreanischen Botschafter in Peking einbestellt. Inzwischen scheint auch den Chinesen die Geduld auszugehen.

Dieser Sinneswandel der chinesischen Führung ist an sich zu begrüßen. Denn es stellt sich schon seit Langem die Frage, was diese inzwischen so unterschiedlichen Staaten eigentlich noch verbindet. Während Nordkorea weiter an demselben Stalinismus wie vor 60 Jahren festhält, hat sich die Volksrepublik China inzwischen zu einer turbokapitalistischen Marktwirtschaft entwickelt, die selbst in den USA ihresgleichen sucht.

Doch so erfreulich der Wandel der chinesischen Führung erscheinen mag: Ohne den großen Bruder steht Pjöngjang wirklich isoliert da. Und das macht das nordkoreanische Regime noch unberechenbarer. Dabei hatte es in den vergangenen Monaten durchaus erste Ansätze gegeben, dass der erst seit einem Jahr regierende Diktator Kim Jong-Un einiges anders machen könnte als sein vermutlich geistesgestörter Vater und Vorgänger Kim Jong-Il.

Zuletzt versprach Kim junior bei seiner Neujahrsansprache einen "radikalen Wandel", wirtschaftliche Reformen und sogar eine Annäherung an den verfeindeten Süden. Allerdings scheint die Macht des gerade einmal 30-Jährigen nicht so gefestigt zu sein, dass er völlig freie Hand hat. Noch ist er von dogmatischen Hardlinern seines Vaters umringt, die nur darauf warten, dass er schwächelt. Umso mehr will der junge Kim offensichtlich beweisen, dass er imstande ist, nach außen Härte zu zeigen.

Solange Peking zumindest noch ein wenig Einfluss auf Pjöngjang ausübte, galt ein Angriff auf Südkorea als unwahrscheinlich. Denn ökonomisch sind China und Südkorea eng verwoben, eine Eskalation des Konfliktes auf der koreanischen Halbinsel würde für viele chinesische Firmen sehr schmerzhaft werden.

Das hat China bislang stets zu verhindern gewusst. Reißt der Faden zwischen Peking und Pjöngjang jedoch - und damit der letzte Nordkoreas zur Außenwelt - ist bei der letzten stalinistisch geführten Diktatur fatalerweise mit allem zu rechnen.