Kommentar zum Ringen um die Brexit-Pläne

Noch immer kopflos

Mehr als zwei Monate nach dem Brexit-Votum herrscht noch immer Unsicherheit darüber, welche Konsequenzen der EU-Austritt haben wird.

Mehr als zwei Monate nach dem Brexit-Votum herrscht noch immer Unsicherheit darüber, welche Konsequenzen der EU-Austritt haben wird.

London. Sowohl die Briten als auch die EU-Mitgliedstaaten erwarten zu Recht, dass London bald mit Ideen aufwartet, wie es weitergeht.

In den vergangenen Wochen konnte man, wenn auch nicht vergessen, so doch aber leicht verdrängen, welche Tumulte noch im Juni und Juli auf der Insel herrschten. Brexit? War da was? In der Sommerpause genossen die britischen Politiker ihren Urlaub, viele davon auf dem Kontinent. Premierministerin Theresa May wanderte in der Schweiz und konnte sich bereits ein Bild vom Leben außerhalb der EU machen. Unternehmen fuhren einen Gang zurück und die Medien berichteten statt über konkrete Brexit-Pläne über bissige Streitereien in der konservativen Partei. Das Theater schien weiterzugehen.

Wichtiger aber wäre, dass endlich konkrete Vorschläge auf den Tisch kommen und Kompromissbereitschaft von allen Seiten signalisiert wird – ohne diese wird ein EU-Ausstieg keineswegs zu jenem Erfolg, von dem May unaufhörlich spricht. Doch mehr als zwei Monate nach dem Brexit-Votum weiß noch immer niemand nichts. Es herrscht Unsicherheit darüber, welche Konsequenzen der EU-Austritt haben, wie das Leben ohne Brüssel aussehen wird und welche Punkte als Prioritäten auf der Liste oben stehen sollten.

Die Politik hat hierzu in den vergangenen Wochen nur nebulöse Ankündigungen ohne Plan und mit wenig Sachverstand verbreitet. Es ist wahr, dass so ziemlich alle von dem Votum überrumpelt wurden. Jetzt ist aber genügend Zeit vergangen. Sowohl die Briten als auch die EU-Mitgliedstaaten erwarten zu Recht, dass London sehr bald mit konkreten Informationen und einer Ankündigung aufwartet, wie es nun weitergeht. Nur so kann endlich das Beste aus der Situation gemacht werden.