Kommentar über die Entwicklung an der Börse

Nervöse Märkte

Private Aktienanleger haben sich in der jüngeren Vergangenheit in Sicherheit gefühlt. Die langfristig niedrigen Zinsen in Europa und den USA führten zu einem steten Anstieg der Börsenkurse, der nur von leichteren Dämpfern unterbrochen wurde.

Diese Zeiten sind vorerst vorbei. Die Unsicherheit nimmt zu. Der Deutsche-Aktien-Index Dax ist gestern erstmals seit Oktober wieder unter die symbolträchtige 10 000-er Marke gerutscht.

China ist der Anlass für die Börsenturbulenzen. Die Spekulationsblase in Schanghai platzt in mehreren Schüben. Dass dort gestern bereits nach 30 Minuten Handelsschluss war, schockiert natürlich Anleger in aller Welt. Der automatisch einsetzende Notfall-Mechanismus verstärkt die Nervosität an den Märkten. Die chinesische Finanzmarktaufsicht hat angekündigt, den gerade erst eingeführten Mechanismus zu verbessern. Das ist einerseits sinnvoll, andererseits liegt darin aber auch eine Gefahr. Eingriffe der chinesischen Regierung könnten verhindern, dass das Vertrauen der Anleger in ein funktionierendes Börsengeschehen mittelfristig wieder wächst.

China ist in einer gedämpften Phase seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Auf längere Sicht wird das Gewicht des Landes in der Weltwirtschaft aber weiter zunehmen. Für die deutschen Autobauer ist der chinesische Markt eine Goldgrube. Deshalb mussten die Autoaktien gestern verständlicherweise besonders bluten. Dass sich Menschen wie US-Starinvestor George Soros durch die aktuelle Lage in China bereits an die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008 erinnert fühlen, stimmt besorgt. Die globalen Märkte stehen seiner Meinung nach vor einer Krise, die Anleger müssten sehr vorsichtig sein. Mit der Yuan-Abwertung wälze China seine Probleme auf den Rest der Welt ab.

Kein Wunder, dass die Deutsche Bank sich schwertut, die Zukunftspläne für die Postbank festzuzurren. Wenn jetzt erwogen wird, weniger als ein Drittel der Postbank-Aktien an die Börse zu bringen und nicht mehr wie ursprünglich geplant die Mehrheit der Anteile, dann ist das natürlich schon ein Ausfluss des unsicheren Marktumfeldes.

Für die deutsche Konjunktur besteht vorerst noch kein Anlass zur Sorge. Der Konsum wird mittelfristig weiter der Wachstumsträger sein. Die ausgesprochen guten Umsatzzahlen des Einzelhandels für 2015 zeigen, dass die Deutschen weiter in Kauflaune sind. Auch die Industrie bekommt mehr Aufträge als erwartet. Das sollte auch die deutschen Aktien stabilisieren.

Für Privatanleger gilt es jetzt, Ruhe zu bewahren und Ansparpläne weiterzuverfolgen. Ein Crash-Tag an der Börse lässt natürlich vergessen, dass sich die deutsche Wirtschaft in einer vergleichsweise guten Situation befindet. Diese Stärke muss sie jetzt ausspielen.