Kommentar

Mobilfunkmarkt - Wettbewerbs-Fragen

Je höher die Anzahl der Anbieter auf einem Markt, desto stärker ist der Wettbewerb. Je geringer die Anzahl, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Anbieter in friedlicher Koexistenz den Markt untereinander aufteilen. Soweit die Theorie, die auch auf den Mobilfunk in der Praxis zutrifft.

Mit vier Netzbetreibern im Mobilfunk ist der deutsche Markt ohnehin nicht üppig besetzt. Jetzt deutet alles darauf hin, dass es bald nur noch drei sein werden. Und mit E-Plus könnte es ausgerechnet der preisaggressivste Anbieter von allen sein, der nach der Übernahme durch Telefónica langfristig vom Markt verschwindet. Was aus Unternehmenssicht sinnvoll erscheint, ist aus Verbraucherperspektive zunächst eher kritisch zu sehen.

Der Blickwinkel der Verbraucher verändert sich allerdings, wenn es nicht um den Preis, sondern um die Netzqualität geht. In dieser Hinsicht sind die Kunden von E-Plus und O2 nicht verwöhnt. E-Plus und O2 nutzen beide das sogenannte E-Netz. Durch eine Zusammenlegung beider Anbieter könnte sich die Netzabdeckung verbessern.

Die Schwächen des E-Netzes, wie beispielsweise ein schlechterer Empfang innerhalb von Gebäuden, werden sich dadurch allerdings nicht verbessern. Alle Anbieter müssen derzeit hohe Summen in den Ausbau ihrer Netze investieren. Der stark wachsende Datenverkehr erfordert höhere Bandbreiten.

Bis die Übernahme durch die Wettbewerbshüter in Brüssel und Bonn genehmigt werden kann, wird noch viel Wasser den Rhein herunterfließen, und es werden viele Handy-Gespräche geführt werden. Es liegt auf der Hand, dass die Wettbewerbshüter die Übernahme, wenn überhaupt, nur unter strengen Auflagen genehmigen werden.

In Österreich musste ein Anbieter in vergleichbarer Situation sein Netz für Drittanbieter öffnen und Frequenzen verkaufen. Für Märkte wie Irland, die Niederlande und Österreich hat die EU allerdings letztlich einer Verringerung der Mobilfunk-Anbieterzahl auf drei zugestimmt.

Die Wachstumschancen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt liegen längst nicht mehr in der Gewinnung von neuen Kunden. Statistisch gesehen besitzt jeder Deutsche schon 1,4 Mobilfunkverträge. Das Wachstum stammt aus dem Datengeschäft und den Verträgen für Smartphones oder Tablet-Computer.

Rein nach der Zahl der 40 Millionen Kunden würde nach der Übernahme ein neuer Marktführer auf dem deutschen Mobilfunkmarkt auftauchen. Allerdings stammen viele der E-Plus- und O2-Kunden von Discountern oder anderen günstigen Anbietern. So arbeitet Aldi mit E-Plus zusammen. Diese Kunden machen einen niedrigeren Umsatz als die Kunden von Vodafone oder Telekom. Deshalb dürften die Übernahmepläne diesen Platzhirschen nur begrenzt Kopfschmerzen bereiten.