Lufthansa-Billigfluglinie - Kranich-Offensive

Zwölf Jahre ist es mittlerweile her, dass die Lufthansa mit ihrer Billigflugtochter Germanwings an den Start ging. Nach den Kurz- und Mittelstrecken will die Kranich-Airline nun die Langstrecken unter die Flügel nehmen. Billigtickets und Langstrecke - für viele Branchenkenner ging beides bislang nicht zusammen.

Vor allem deswegen nicht, weil die Flugzeuge nur dann Geld verdienen, wenn sie in der Luft sind. Das geht am einfachsten, wenn kleinere Maschinen ständig zwischen den Zielen hin- und herfliegen und möglichst wenig Zeit am Boden verbringen. Bei Verbindungen innerhalb Europas funktioniert dieses Konzept. Anders auf der Langstrecke. Hier müssen weitaus größere Flieger eingesetzt werden, die zu ihrer Abfertigung naturgemäß längere Standzeiten am Boden verbringen.

Lufthansa steckt in einem Dilemma: Auf den kurzen Strecken machen Germanwings die Konkurrenten Ryanair und Easyjet das Leben schwer, auf den weiten Strecken scheint auf lange Sicht die staatlich unterstützte Konkurrenz aus dem arabischen Raum übermächtig. Jetzt geht das Unternehmen in die Billig-Offensive.

Das Problem liegt auf der Hand: Germanwings ist schlicht zu klein, um mithalten zu können. Im Europaverkehr haben Easyjet und Ryanair die Deutschen längst abgehängt. Während Germanwings im Jahr rund 18 Millionen Passagiere befördert, sind es bei Easyjet und Ryanair drei bis vier Mal mehr - zu im Durchschnitt oft günstigeren Konditionen. Auch wenn bereits einige Low-Cost-Airlines auf langen Strecken unterwegs sind - ob das Konzept nur ein Versuch bleibt oder dauerhaft Erfolg verspricht, ist längst nicht klar.

Wer billig fliegen will, nimmt Abstriche beim Service in Kauf. Ob ein Kunde allerdings auch bereit ist, auf einige grundlegende Annehmlichkeiten zu verzichten, wenn er acht oder mehr Stunden im Flieger sitzt, muss die Zukunft weisen. Urlauber sind da sicherlich anspruchsloser als Geschäftsreisende. Doch irgendwann dürfte auch beim kostenbewusstesten Fluggast die Schmerzgrenze erreicht sein. Diese Schmerzgrenze fürchten im übrigen auch die Lufthansa-Beschäftigten, denn Billigfliegerei bedeutet neben preiswerten Tickets auch niedrigere Löhne - wogegen sich derzeit die Flugzeugführer vehement wehren.

Die Schmerzgrenze ist für die lärmgeplagten Anwohner des Flughafens längst erreicht. Für sie bedeutet das Billigflug-Engagement der Lufthansa nichts Gutes. Sie müssen sich auf noch mehr Krach einstellen, vor allem wohl in den Nachtzeiten. Denn letztlich siedelt Lufthansa die Basis ihrer neuen Billigairline unter dem Namen Eurowings in Köln/Bonn an, weil hier ein 24-Stunden-Betrieb erlaubt ist.

Eines dürfte die Entscheidung auf jeden Fall beflügeln: die Diskussion um Kernruhezeiten und den generellen Einsatz leiserer Flieger. An letzterem müsste auch der Airport ein Interesse haben, zumal er sich erneut dem Vorwurf der Fluglärmgegner ausgesetzt sieht, den Profit über den Gesundheitsschutz zu stellen. Für den Flughafen bedeutet die Lufthansa-Entscheidung in jedem Fall einen Gewinn, weil sich endlich die lang ersehnte Perspektive für weiteres Wachstum bietet.