Kommentar zur Flüchtlingspolitik der FDP

Lachende Dritte

Christian Lindner.

Christian Lindner.

Bonn. Christian Lindner stellt sich in der Flüchtlingspolitik hinter die CSU. Damit könnte er seine eigene Partei einer Zerreißprobe aussetzen, kommentiert GA-Redakteur Kai Pfundt.

Streiten sich zwei. Was macht Nummer drei? Richtig. Beobachten lässt sich diese naturgesetzliche Reaktion zurzeit bei zwei Zaungästen des Asylstreits. Während CDU und CSU auf eine Situation zusteuern, vor der jeder Eheberater kapituliert, können die fassungslosen Zeugen des Dramas FDP-Chef Christian Lindner dabei beobachten, wie er mit jedem Interview, mit jedem Kamerastatement an Volumen zulegt.

Vor wenigen Monaten war Lindner noch der Buhmann nach dem gescheiterten Versuch, in Berlin eine Jamaika-Koalition zu bilden. Nun kann er mit Verweis auf die damals schon vorhandene Sollbruchstelle Asylpolitik als derjenige vor die Mikrofone treten, der es schon vorher gewusst hat. Zugleich nimmt der FDP-Vorsitzende für seine Partei eine Verschiebung des politischen Schwerpunkts nach rechts vor – eine kaum verhüllte Vorbereitung auf die Zeit nach Merkel und die dann zu erwartende Wiedergeburt des konservativen Flügels in der CDU.

Sollte Lindner so weit gehen, die FDP in eine AfD light umwandeln zu wollen, nationalliberal, ohne unappetitlich völkelnden Nationalismus, würde er seine eigene Partei einer Zerreißprobe aussetzen. Die zweite große Profiteurin der erbitterten Auseinandersetzung der Unionsparteien ist ohnehin die AfD. CSU-Chef Seehofer eskaliert den Konflikt um die Asylpolitik, um bei den Landtagswahlen den rechten Parteiflügel bei der Stange zu halten. Nur: Warum sollten sich potenzielle Rechtsaußen-Wähler in Bayern für die Kopie entscheiden, wenn sie mit der AfD das Original haben können? Diese Frage kann Seehofer nicht schlüssig beantworten.