Kommentar

Konflikt in der Türkei: Brücken bauen

Istanbul. Viele Türken haben es kommen sehen und sich davor gefürchtet. Aus dem seit Juli eskalierenden Kurdenkonflikt ist ein neuer Krieg geworden. Die großen Hoffnungen auf ein dauerhaft friedliches Zusammenleben zwischen Türken und Kurden, die der Waffenstillstand der vergangenen zwei Jahre weckte, sind dahin.

Deprimierend ist, dass alle Beteiligten sehr genau wissen, dass der Kurdenkonflikt nicht mit Waffengewalt beizulegen ist. Es wird keinen militärischen Sieg in diesem Krieg geben. Doch obwohl das allen in der Türkei klar ist, geben sich alle Seiten im Land große Mühe, die Gräben immer weiter zu vertiefen. Brückenbauer sind rar in Ankara.

Präsident Recep Tayyip Erdogan muss sich vorwerfen lassen, zumindest zum Teil für die Lage verantwortlich zu sein. Seine Taktik, den Druck auf die verbotene Kurdenpartei PKK und die legale HDP in der Hoffnung auf politische Zugewinne bei den Neuwahlen im November zu erhöhen, hat die Spannungen im Land erheblich verschärft. Wegen Erdogans eindeutiger Parteinahme gegen die HDP und für seine eigene Partei AKP fehlt dem Land zudem eine über der Tagespolitik stehende Instanz, die über die Lager hinweg zur gegenseitigen Verständigen aufrufen könnte.

Doch alles auf Präsident Erdogan zu schieben, wäre zu einfach. Die Hardliner in der PKK haben mit dem Neubeginn ihrer Angriffe die Spirale der Gewalt überhaupt erst in Gang gesetzt. Die Regierung in Ankara und die Kurdenpartei HDP tragen eine große Verantwortung. Beide sollten einen Weg finden, zum Dialog zurückzukehren.