Kommentar

Kita-Tarifkonflikt: Bsirskes Blamage

Die Geister, die Frank Bsirske rief, die wird er nicht mehr los - und leider jagen sie nicht nur ihn, sondern auch all jene Familien, die ihre Kinder in kommunale Kindergärten schicken.

Mit einer Zweidrittelmehrheit haben die betroffenen Gewerkschaftsmitglieder jenen Schlichtungsvorschlag verworfen, dem die Vertreter der Gewerkschaften Verdi und GEW zugestimmt hatten. Eine Ohrfeige für die Funktionärsriege um Bsirske, der jetzt wieder tapfer Stimmung im Tarifkonflikt machen muss.

Wenn in der nächsten Verhandlungsrunde am Donnerstag kein Wunder passiert, drohen also wieder Streiks. Aller Voraussicht nach zahlen damit Väter und Mütter die Rechnung für ein unglaubliches Hazardspiel der Gewerkschaftsführungen.

Rekapitulieren wir: Am 28. März 2015 erreichen die Gewerkschaften ein generelles Lohnplus von 4,3 Prozent in zwei Stufen für den öffentlichen Dienst der Kommunen. An sich ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Verdi und in deren Windschatten GEW und Beamtenbund aber haben da längst die nächste Tarifkampagne gestartet: Im Sozial- und Erziehungsdienst soll durch Umgruppierungen nochmals kräftig draufgesattelt werden. In ihrer Öffentlichkeitsarbeit verweisen die Gewerkschafter auf die Lage von geringqualifizierten Mitarbeitern und Angestellten in den ersten vier bis sieben Berufsjahren. Das ist geschickt. Selbst viele vom Streik betroffene Eltern äußern ihre Sympathie und merken nicht, dass die höchsten Aufschläge für Erzieher und Erzieherinnen verlangt werden, die in Hierarchiepositionen arbeiten und auch jetzt schon im Vergleich zu Lehrern gar nicht schlecht verdienen. 19 Prozent mehr etwa, 3962 statt 3319 Euro im Monat, sollen langjährig beschäftigte Leiterinnen kleiner Kitas (bis 39 Plätze) erhalten.

Zweifellos ist es das gute Recht von Gewerkschaften, für die Interessen ihrer Mitglieder Arbeitskämpfe zu führen. Aber es ist Willkür, mit illusorischen Forderungen wochenlange Streiks vom Zaun zu brechen wie in den Kitas. Die Gewerkschaftsführer haben Erwartungen geweckt, die nur enttäuscht werden konnten. Der Schlichterspruch - bis zu 4,5 Prozent mehr - ist eigentlich ein starkes Ergebnis, aber angesichts seiner Vorgeschichte wirkt er, als wäre ein Ferrari versprochen und ein aufgebohrter Polo geliefert worden.

Nun sitzen die Funktionäre in der Falle, denn die Stadtkämmerer werden ihnen allenfalls noch mit kosmetischen Korrekturen entgegen kommen können. Die Zeit für Gewerkschaftsführer, die wie einst Heinz Kluncker mit seinen Müllmännern die ganze Republik unter Druck setzen konnten, sie läuft ab. Bsirske hat sich in seiner Rolle als Weselsky der Wickeltische gründlich blamiert und wird sich wohl weiter blamieren, bis seine Leute streikmüde sind. Eine tragische Groteske - schlimm nur, dass wieder viele Familien darunter leiden dürften.