Kommentar

Griechenland/Euro - Chance ergreifen

BRÜSSEL. Ist die Rettung nahe? Griechenland ist noch längst nicht über den Berg. Im Gegenteil. Vor dem Land liegt ein harter, steiniger Weg, der seiner Bevölkerung noch mehr abverlangen wird als die vergangenen fünf Jahre.

Von einem Ende des Sparkurses, wie Alexis Tsipras im Wahlkampf und zu seinem Amtsantritt versprach, kann keine Rede mehr sein. Der Regierungschef ist auf dem Boden der Tatsachen gelandet - und hat sich dabei eine blutige Nase geholt.

Lange versuchte sich der junge Syriza-Chef aus den festen Bedingungen der Geldgeber zu winden, ließ es gar aufs Äußerste ankommen. Bis er feststellte, dass das übrige Europa inzwischen auch bereit war, notfalls einen Grexit, also einen Austritt Griechenlands, hinzunehmen.

Tsipras musste einsehen, dass seine Heimat ohne weitere Hilfen auf den Stand eines Entwicklungslandes zurückgeworfen werden würde. Nur wenn die Verwaltung von politischer Einflussnahme befreit ist, kann ein neues Zeitalter beginnen.

In Griechenland liegen aber auch Chancen. Beispielsweise für erneuerbare Energien. Derzeit versorgt sich das Land größtenteils über fossile Brennstoffe mit Strom und Gas - dabei hat der Inselstaat Sonne und Wind im Überfluss. Auch mit der Privatisierung der Häfen kann Griechenland viel erreichen.

Teilbereiche, die schon jetzt privat betrieben werden, fahren Gewinne ein. Es sind diese Perspektiven, mit denen Tsipras nun nicht nur sein Parlament, sondern vor allem sein eigenes Volk gewinnen muss. Denn nur wenn auch das an eine bessere Zeit glaubt, hat Griechenland eine Zukunft.