Flüchtlinge und Grenzkontrollen

Grenzerfahrungen

Berlin. Es gab nicht den geringsten Anlass zu glauben, dass sich die Flüchtlingsproblematik mit dem Jahreswechsel entschärfen würde. Und so ist es auch gekommen. Die Nachrichten eines Tages: Dänemark führt seit gestern stichprobenartig wieder Grenzkontrollen durch.

Der tschechische Präsident Milos Zeman sieht im Flüchtlingszustrom nach Europa - er spricht von "Invasion"- das Werk der ägyptischen Muslimbruderschaft. In Berlin warten in Eiseskälte weiterhin Hunderte von Flüchtlingen, um sich registrieren zu lassen.

In Dreieich wird auf eine Flüchtlingsunterkunft geschossen, und Angela Merkel lässt Horst Seehofer - zwei Tage vor ihrem Treffen in Wildbad Kreuth - mit dessen Forderung nach einer nationalen Obergrenze abblitzen. Es hat sich also beim drängendsten Thema Deutschlands und Europas nichts grundlegend geändert. Und das ist das eigentlich Schlimme.

Dass den Schweden das Hemd näher als der Rock ist und die Dänen jetzt nachziehen, ist verständlich - klug, vor allem aber erfolgversprechend ist es nicht. Der deutsche Regierungssprecher wiederholt gebetsmühlenartig bisher in Richtung Süden, jetzt auch gen Norden, dass Lösungen nur gesamteuropäisch gefunden werden könnten. Dann muss an ihnen aber auch hart gearbeitet werden.

Derzeit hat man eher den Eindruck, dass Europa langsam ermattet, statt sich der Sache anzunehmen. Eine gefährliche Entwicklung. Denn je häufiger nationale Regierungen aus bestehenden Verabredungen ausscheren, desto brüchiger wird die ganze Veranstaltung. Das europäische Einigungswerk zerbröselt den Europäern gerade zwischen den Fingern.