Kommentar

Gewalt gegen Schwarze in den USA - Eine Schande

Washington. Selten ist polizeiliches Fehlverhalten in Amerika so erschütternd und lückenlos im Detail festgehalten worden wie auf dem Video, das den sinnlosen Tod von Walter Scott zeigt.

Nichts rechtfertigt den Einsatz der Waffe, die der Polizist Michael Slager ohne Vorwarnung auf einen unbewaffneten, ungefährlichen und davon laufenden Mann richtete.

Was abseits der nach Ferguson debattierten Rassenfrage (wieder war das Opfer schwarz und der Todesschütze weiß) ohnmächtig macht, ist die Beinahe-Gewissheit: Ohne den Live-Mitschnitt eines Passanten würde heute wohl niemand über die obszöne Willkür Slagers reden.

Die Polizei in North Charleston hat in einer ersten Stellungnahme schlicht gelogen. Erst als die furchtbaren Bilder in Umlauf gerieten, wurde der Beamte verhaftet und angeklagt. Der Ruf nach "Body Cams", die jeden Kontakt von Ordnungshütern mit Bürgern festhalten, wird nun noch lauter. Die technische Aufrüstung ist aber nur Ersatzbefriedigung. In den Köpfen von Polizisten, die schneller schießen als denken, ist etwas Fundamentales abhandengekommen: Empathie.

Michael Slager ist ab sofort der furchtbare Poster-Boy einer Serie von Tragödien, die an den Grundfesten des Rechtsstaates rütteln. Polizisten in den USA sind unterbezahlt, überbewaffnet und oft miserabel ausgebildet. Polizisten in den USA werden nur ungenügend in Methoden trainiert, die Situationen ohne Schusswaffen-Gewalt entschärfen. In dieser Gemengelage haben kleinste Fehleinschätzungen tödliche Konsequenzen. Eine Schande. Eine hausgemachte Schande.