Wahlausgang in Spanien

Frische Brise

Madrid. Nach dem politischen Erdbeben wird in Spanien eine neue Epoche anbrechen. Denn die junge und linke Protestpartei Podemos, die mit einem überraschend starken Ergebnis auftrumpfte, wird künftig im Parlament ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

Genauso wie die zweite neue Partei Ciudadanos aus der liberal-bürgerlichen Ecke, die zwar die hohen Erwartungen enttäuschte, aber auch noch einen ansehnlichen Stimmanteil errang.

Für den unbeliebten konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy, der mit seiner Volkspartei auf sehr niedrigem Niveau siegte, aber seine Regierungsmehrheit verlor, bedeutet dies eine heftige Ohrfeige. Die beiden Politaufsteiger Podemos und Ciudadanos trennt zwar ideologisch vieles, aber sie haben eines gemein: Die Forderung nach einer "demokratischen Erneuerung" in Spanien, wo viele Bürger das Vertrauen in die regierenden Politiker verloren haben.

In Spanien hat sich der Eindruck festgesetzt, dass nicht wenige Politiker in der Vergangenheit ihr Amt dazu benutzten, um sich selbst und ihre Amigos zu bereichern und Privilegien schamlos auszunutzen.

Die Newcomer sind die Antwort auf diese tiefe Krise: Sie verstanden es, Ärger und Wut der Bürger zu kanalisieren. Nun müssen ihre jungen und populären Wortführer beweisen, dass sie nicht nur die Menschen mitreißen, sondern auch besonnene Politik machen können. Auf jeden Fall ist das Auftauchen von Podemos und Ciudadanos eine Chance, endlich mit frischem Wind die erstarrte politische Landschaft in Spanien durchzufegen. Das ist bitter notwendig.