Kommentar

Frauenquote - Viel Lärm um wenig

Es passt so schön: Morgen ist Weltfrauentag, heute kommt die Frauenquote. Na bitte, liebe Frauen, was wollt ihr mehr? "Viel mehr", lautet die Antwort - denn die gestern beschlossene Quote ist, mit Verlaub, ein Quötchen.

Im Jahr 2016 soll in gut 100 deutschen Großunternehmen, die an der Börse notiert sind, bei der Aufsichtratswahl eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent gelten. So lautet der Beschluss des Deutschen Bundestages. Man kann ihn auch so schreiben: Im Jahr 2016 soll in den Aufsichtsräten von gut 100 deutschen Großunternehmen der Männeranteil 70 Prozent nicht überschreiten.

So gelesen, klingt die Aussage von Bundesjustizminister Heiko Maas anders, als er sie vermutlich meinte: "Nach der politischen Macht bekommen Frauen endlich einen fairen Anteil an der wirtschaftlichen Macht." Seit wann sind 30 Prozent fair?

In der Tat geht es um den Anteil an der Macht. In der Diskussion vor und voraussichtlich auch nach dem Bundestagsbeschluss aber steht nicht das Wort Machtanteil im Vordergrund, sondern das Wort Quote - ein irgendwie erbärmliches Wort. Bedeutet es doch in den Augen vieler Männer und auch einiger Frauen, dass diejenige, die in Zukunft im Aufsichtsrat der Firma XY sitzt, eben nur dank der Quote dort sitzt. Das will Mann nicht, und das kann doch auch Frau nicht wollen.

Doch, kann sie. Sie kann sogar wollen, dass die Quote statt vorsichtiger 30 gleichberechtigte 50 Prozent beträgt. Sie kann auch wollen, dass das nicht nur in Aufsichtsräten von 100 Großunternehmen gilt - wir zitieren Wikipedia: "Der Aufsichtsrat einer börsennotierten Gesellschaft muss mindestens zwei Sitzungen im Kalenderhalbjahr abhalten."

Zweimal im halben Jahr sitzen also jetzt 70 Prozent Männer mit 30 Prozent Frauen an einem Tisch. Wow. Ein "Meilenstein auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung" - O-Ton Familienministerin Manuela Schwesig - sieht anders aus.

Bevor jetzt also Männer aufschreien, weil sie um ihre Beförderungen fürchten: keine Sorge. Im Management, im Vorstand, in täglich operierenden Führungsgremien, bleibt alles, wie es ist - bei 5,4 Prozent Frauen, so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Wer nun sagt: Tja, da werden die männlichen Bewerber eben besser gewesen sein als die weiblichen, der möge einmal darüber nachdenken, warum nur acht Prozent der deutschen Firmenvorstände eine Frau als Mitglied haben, österreichische dagegen zu 17 Prozent, englische sogar zu 54 Prozent - weil Engländerinnen und Österreicherinnen besser sind als Deutsche?

Mehr Quote täte aber vor allem gut, um Frauen die Angst vor einer Führungsrolle zu nehmen, die sie bislang hauptsächlich in einer männlichen Definition kennen. Und um Frauen wie Männern die Aufgabe zu stellen, eben diese Definition neu zu schreiben - gemeinsam.