Kommentar

Frauenquote - Scheingefechte

Man kann das skurrile Gezerre um die Frauenquote als Wahlkampfgeplänkel abtun. Man kann sich aber auch darüber ärgern, dass in Berlin Scheingefechte geführt werden, in denen nur vordergründig für die Gleichberechtigung gekämpft wird. Die Lebenswirklichkeit berufstätiger Frauen verfehlen sie völlig.

Jetzt gibt es also erst einmal keine gesetzliche Frauenquote für Aufsichtsräte. Na und? Ob in sieben Jahren, wie von der CDU gefordert, 30 Prozent der Firmen-Aufseher weiblich sein sollen oder wie von der Opposition gewünscht 2018 mindestens 20 Prozent - das ist reine Haarspalterei. Sie dient in erster Linie dem innerparteilichen Frieden in CDU/CSU oder der Profilierung von SPD und Grünen. Die Sinnlosigkeit dieser Pläne wird nur noch von Familienministerin Kristina Schröders "Flexi-Quote" übertroffen, bei der Unternehmen sich ihren Frauenanteil gleich selbst verordnen dürfen.

Was oft übersehen wird: Schon heute sind 17,6 Prozent der Aufsichtsräte in börsennotierten deutschen Unternehmen Frauen. Dass eine Steigerung innerhalb von Jahren um wenige Prozentpunkte jetzt die von den Grünen beklagte "verpasste historische Chance" sein soll, dürfte viele Frauen verwundern. Dazu kommt: Positionen in Aufsichtsräten sind Ausnahmejobs - für Frauen und auch für Männer. Damit wird die Quote zu reiner Symbolik. Hier bekämpft die Politik die Symptome statt der Ursachen. Das eigentliche Problem besteht darin, dass vor allem Frauen mit Kindern in Deutschland kaum eine Chance haben, in Führungspositionen aufzusteigen. Quote hin oder her. Die Liste der Missstände ist hinlänglich bekannt: Unzureichende Kinderbetreuung, die Anwesenheitskultur in deutschen Unternehmen und steuerliche Anreize für die Hausfrauenehe sind nur die Spitze des Eisbergs.

Was nützt eine Aufsichtsrats-Quote den vielen Müttern, denen nach der Elternzeit von ihren Arbeitgebern der Wiedereinstieg in den Beruf erschwert wird? Was bringt sie den alleinerziehenden Frauen, die froh sind, überhaupt arbeiten zu können - von Karriere ganz zu schweigen?

Mit Symbolik ist es nicht getan. Dafür liegt Deutschland im Vergleich zu anderen Industrieländern bei der Gleichberechtigung von Frauen im Berufsleben zu weit hinten. Dass die Arbeitskraft vieler gut ausgebildeter Frauen zu wenig genutzt wird, schadet nicht nur der Wirtschaft. Die schlechten Jobchancen vor allem für Mütter führen auch dazu, dass vielen Frauen Altersarmut droht.

Immerhin zeigt die emotionale Debatte über Familienpolitik und Gleichberechtigung, dass auch im Bundestag zumindest ein grundsätzlicher Handlungsbedarf erkannt wird. Gleichberechtigung lässt sich nur nicht per Quote verordnen. Der Staat muss die ganz praktischen Voraussetzungen dafür schaffen.