Kommentar zur Zukunft Merkels

Folgerichtig

Angela Merkel wird nach ihrer Zeit als Kanzlerin kein EU-Amt bekleiden.

Angela Merkel wird nach ihrer Zeit als Kanzlerin kein EU-Amt bekleiden.

Berlin. Um die Zukunft von Angela Merkel hat sich eine Diskussion gebildet. Merkel aber hat sich entschieden, spätestens 2021 aufzuhören. Das ist folgerichtig, kommentiert GA-Korrespondentin Eva Quadbeck.

Wenn in Brüssel die Mikrofone auf Sendepause gestellt werden und sich die Türen hinter Spitzenpolitikern schließen, dann hören die Staats- und Regierungschefs der deutschen Kanzlerin zu. Innerhalb der EU gibt es viel Kritik an der Regierungschefin aus dem größten Mitgliedsland. Viele werfen ihr vor, Europa gleich zweimal gespalten zu haben: In der Finanzkrise und in der Flüchtlingskrise. Merkel war aber auch immer diejenige, die schwierige Lagen treffsicher analysieren konnte, alle Interessen im Blick hatte, in nächtlichen Krisensitzungen die Kompromisse fand und am Ende die fliehenden Kräfte wieder zusammenband. Das macht ihr so leicht niemand nach – finden sogar ihre Gegner.

Und diese Frau soll nun abtreten? Weder in Berlin noch in Brüssel kann man sich das vorstellen. Das erklärt, warum das köchelnde Gerücht, Merkel werde nach Brüssel wechseln, immer wieder den Deckel vom Topf drückt. Es wäre ja auch nachvollziehbar, dass die Kanzlerin als Elder Stateswoman den von Sturmtiefs umzingelten Tanker Europa in ruhigeres Fahrwasser steuert.

Merkel aber hat sich entschieden, spätestens 2021 aufzuhören. Es ist nicht ausgeschlossen, dass man sie noch mal als Krisenvermittlerin auf internationalem Parkett wiedersieht. Dann wird sie aber nicht mehr mit einem Amt ausgestattet sein.

Je klarer und glaubhafter es ist, dass Merkel kein weiteres Amt mehr anstrebt, desto größer ist der Dienst, den sie gleich nach der Europawahl der EU noch erweisen kann. Ohne persönliche Ambitionen kann sie als Schiedsrichterin und Supervisorin im großen Poker um die Spitzenposten auftreten und dabei helfen, ein ausgewogenes Personaltableau für die Führung Europas zu installieren, das im besten Fall Macronsche Offensive, deutsche Solidität, osteuropäisches Sicherheitsdenken und südeuropäische Solidaritätsforderungen enthält. Wenn zudem eine Frau aus Skandinavien dabei ist, könnte es laufen auf dem alten Kontinent.

Einen der Spitzenposten wird Merkel für Deutschland nach Hause schaukeln müssen. Sie muss auch das Image der Deutschen in Brüssel aufpolieren. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat recht mit seiner Mahnung, dass die Selbstwahrnehmung der Deutschen als gute Europäer mit der Wahrnehmung der anderen Staaten nicht übereinstimmt. Wenn die Kanzlerin diese Aufgaben löst und am Ende die deutsche Ratspräsidentschaft 2020 nutzt, um noch Impulse für die Zukunft Europas zu setzen, ist es folgerichtig, spätestens 2021 einen Schlusspunkt zu setzen.