Kommentar

Flüchtlings-Schlepper: Perfide

Als wäre die Katastrophe nicht schon groß genug! Allein im vergangenen Jahr landeten 150.000 Bootsflüchtlinge an Italiens Küsten an. Menschen, die vor Verfolgung fliehen, Menschen, die endlich ein menschenwürdiges Leben führen wollen - und allesamt Menschen, die für ihre Flucht teuer bezahlen.

Und jetzt das: Skrupellose Schleuser entledigen sich der Menschen, die sie in Viehfrachter pferchen, indem sie sie hilflos auf dem Meer treiben lassen. Autopilot ein, Geld eingesackt, runter von Bord. Perfider geht es nicht. Hätte die italienische Küstenwache in den Tagen des Jahreswechsels nicht beherzt eingegriffen, wäre es zu Katastrophen mit möglicherweise Hunderten von Toten gekommen.

Befördert wird diese menschenverachtende Geldschneiderei durch eine gewinnbringende Kultur des Wegsehens. Denn der Flüchtlingsexport ist längst ein Millionengeschäft, an dem nicht nur Schleuser verdienen. Eine Lösung des Dramas ist deshalb auch nicht in Sicht. Die europäische Grenzagentur Frontex - ohnehin unzureichend ausgestattet - ist für die Abschreckung, nicht für die Rettung da. Das wird sich jetzt ändern müssen, da die mutwillig herbeigeführte Seenot eine neue Stufe der Schleuserkriminalität ist. Vor allem aber muss es endlich gelingen, effektive Kontrollen in den Ausgangshäfen durchzusetzen. Das ist angesichts der lukrativen Einnahmequellen und der politischen Instabilität vieler Länder so etwas wie die Quadratur des Kreises. Da kommen auf alle Anrainer des Mittelmeeres noch schwierige Aufgaben zu, ganz zu schweigen von einer wirksamen EU-Migrationspolitik insgesamt.