Kommentar

Es tut sich etwas - Endlich!

Botschafts-Gebäude

Die US-Botschaft in Berlin in der Nähe des Brandenburger Tors. Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Die Mittelmacht Deutschland hat sich von der Weltmacht USA lange genug am Nasenring durch die Geheimdienstmanege führen lassen. Vorhang auf, hier spionieren wir! Als ob es nicht genügt hätte, dass eine Frageliste aus Berlin zur Ausspähung durch die NSA in Deutschland seit gut einem Jahr unbeantwortet in den USA liegt. Unverschämt! US-Geheimdienste gingen derweil ungeniert weiter ihrem Geschäft in Berlin nach.

Doch die zwei jüngsten Spionageverdachtsfälle - womöglich folgen bald noch weitere - haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Jetzt hat die Bundesregierung, überfällig, den obersten Geheimdienstler an der US-Botschaft aufgefordert, Deutschland zu verlassen. Unerwünschte Person in nicht erwünschter Mission. Es ist gut, nein, es ist dringend notwendig und geboten, dass Deutschland robuster, härter und unmissverständlich mit dem großen Bruder spricht.

Die USA dürfen durchaus spüren, dass auch sie in Deutschland nur zu Gast sind. Dann mögen sie sich auch verhalten wie Gäste und (transatlantische) Partner. Dauerhaft belächelt, weil sich die Bundesregierung alles bieten lässt - dies hätte den Stand Deutschlands in Washington ohnehin nicht verbessert.

Partnerschaft auf Augenhöhe muss man auch praktizieren. Wenn dazu Klartext gehört, dann muss er gesprochen oder vermittelt werden. Die Ausweisung des Repräsentanten für die US-Geheimdienste in Deutschland gibt den USA Zeit für eine Denkpause. Sie sollten überlegen, was sie bei aller Größe und gefühlter Überlegenheit in der Partnerschaft mit Deutschland wirklich wollen.