Kommentar

Es geht um Transparenz

BONN. Jetzt haben wir es endlich amtlich vom Bonner Bundesinstitut für Sportwissenschaft: Auch in Westdeutschland wird schon sehr lange nicht nur über Leistungsmanipulation getuschelt, sondern munter gedopt.

Diese Erkenntnis aus dem Abschlussbericht einer von Berliner Wissenschaftlern erarbeiteten Doping-Studie kommt keineswegs überraschend nach den zahlreichen Skandalen der letzten Jahre um die Machenschaften der Freiburger Mediziner. Jan Ullrich und seine Radsport-Kollegen lassen grüßen.

Viel Neues bringen die Forschungsergebnisse nicht. Längst gibt sich kaum noch jemand der Illusion hin, dass die "Wessis" in Zeiten des Kalten Krieges, wenn schon sportlich im Hintertreffen, dann doch wenigstens moralisch die besseren Deutschen waren als die "Ossis". Argwohn weckt jedoch die zögerliche Veröffentlichung der vom deutschen Sport selbst beauftragten Studie durch die Institutionen. Das Bundesinnenministerium scheute lange die Verantwortung und kann den Eindruck nicht verwischen, dass ihm der Klartext der Wissenschaftler nicht in den Kram passt.

Die Verantwortlichen unterschätzen vielleicht, wie dieses Verhalten international gesehen wird. Es könnte die Aussichten Thomas Bachs schmälern, als erster Deutscher Präsident des Internationalen Olympischen Komitees zu werden. Und eine Bewerbung Münchens um die Winterspiele 2022 beeinträchtigen. Eine klare Haltung in der Dopingbekämpfung ist dafür Grundvoraussetzung. Transparente Vergangenheitsbewältigung zählt dazu.