Kommentar

Ehrliche Zahlen

Mit Zahlen wird Politik gemacht. Das war schon immer so. Fakt ist: Die Statistik zum Fehlverhalten von Langzeitarbeitslosen wurde von der Politik jahrelang so gebogen, dass Hartz-IV-Empfänger in einem besseren Licht dastanden. Das Ausmaß von Schlamperei bei Terminen, von Drückebergereien, wenn es darum geht, zumutbare Arbeit aufzunehmen oder eine Fortbildung zu machen, wurde systematisch und vorsätzlich über Jahre unterzeichnet.

Die Motive für diese Schönfärberei sind freilich lauter. Langzeitarbeitslose sind gebeutelt genug von ihrem Schicksal. Niemand möchte mit ihnen tauschen. In der Gemeinschaft haben sie vielfach ohnehin einen schweren Stand. Politiker möchten nicht einer weiteren Stigmatisierung Vorschub leisten.

Das ist auch gut so. All dies darf aber auch nicht dazu führen, dass Tatsachen unter den Teppich gekehrt werden. Die Bundesagentur für Arbeit hat jetzt gegengesteuert. Es ist lächerlich, der Öffentlichkeit die Zahl zu verweigern, wie viele Hartz-IV-Empfänger innerhalb eines Jahres wegen eines Regelverstoßes mindestens einmal verwarnt werden. Es wird höchste Zeit, dass sich die Sozialpolitiker die neuen Zahlen zu eigen machen.

Zumal die Fakten belegen: Die weit überwiegende Zahl der Langzeitarbeitslosen verhält sich auch in der statistisch sauberen Betrachtungsweise gesetzes- und regelkonform. Neun von zehn Hartz-IV-Empfängern halten sich an die Vorgaben der Mitarbeiter in den Jobcentern und bemühen sich redlich um einen neuen Arbeitsplatz. Es verbietet sich also, den Stab über Langzeitarbeitslose zu brechen.